Anwohner gegen Kraftwerk

ETZWILEN. Eine Gruppe von Einwohnern von Etzwilen wehrt sich gegen das geplante Erdwärmekraftwerk. Sie kritisieren, dass eine neuartige Technik ausprobiert werden soll. Zudem befürchten sie unerträgliche Immissionen bei Bau und Betrieb.

Martin Knoepfel
Merken
Drucken
Teilen
Volle Kraft gegen Kraftwerk: René Bein, Heinz Keller, Rainer Hartmann, Doreen Zimmermann, Manuela Strasser, Manuela Behr und Iris Schilling. (Bild: Nana do Carmo)

Volle Kraft gegen Kraftwerk: René Bein, Heinz Keller, Rainer Hartmann, Doreen Zimmermann, Manuela Strasser, Manuela Behr und Iris Schilling. (Bild: Nana do Carmo)

«Wir wollen nicht die Versuchskaninchen für eine neue Methode sein.» Das sagte die Etzwilerin Iris Schilling. Sieben Personen nicken. «Wir wollen nicht in einer Dampfwolke leben», doppelt Gastgeberin Manuela Strasser nach. In Etzwilen hat sich eine Gruppe besorgter Einwohner gebildet. Sie wollen das geplante Erdwärmekraftwerks nördlich des Bahnhofs Etzwilen verhindern.

In einem zweiseitigen Brief stellen sie dem Gemeinderat von Wagenhausen Fragen zum Kraftwerkprojekt. Etzwilen gehört zur Politischen Gemeinde Wagenhausen. Der Brief liegt der TZ vor.

Einsprachen angekündigt

Gegen Baugesuche für das Kraftwerk der Geo Energie Suisse wollen sie sich mit Händen und Füssen und Einsprachen wehren. Im Februar wurde das Projekt der Bevölkerung Wagenhausens vorgestellt. Sie seien unbefangen an die Information gegangen, doch auf Fragen hätten sie oft «vielleicht» oder «wir erwarten» als Antwort erhalten, sagt Strasser.

«Die Information hätte vor sechs Monaten kommen müssen. Sie wollen uns vor vollendete Tatsachen stellen», sagt Ueli Küng, der einen Milchwirtschaftsbetrieb hat und sich um die Gesundheit der Tiere sorgt.

Küng deutet auf der Karte auf die nahegelegenen Grundwasserschutzzonen und Trinkwasserfassungen. «Warum sollen Bohrungen für das Kraftwerk erlaubt sein, während Erdwärmesonden hier verboten sind?» Etzwilen sei gewählt worden, weil das Land in der Industriezone liege. Wenn man erst Land umzonen müsse, lasse sich der Zeitpunkt 2020 für den Beginn der Stromproduktion nicht einhalten. Strasser sorgt sich auch um das Etzwiler Ried, das ans Kraftwerkgelände grenzt.

Sie seien nicht gegen die Erdwärmenutzung, sagen mehrere Mitglieder der Gruppe. Es sähe anders aus, wenn es einen Standort gäbe, an dem die für Etzwilen vorgesehene Methode angewandt werde, ohne Schäden zu verursachen. Die Gruppe misstraut auch der Geo Energie, da ausser der Axpo die gleichen Firmen dahinter stehen wie beim früheren Geothermieprojekt in Basel.

«Kalte Enteignung»

Die Anwohner sprechen von «kalter Enteignung». «Ich bin sicher, dass unsere Häuser schon heute weniger wert sind, weil niemand mehr hierher ziehen will», sagt Strasser. Manuela Behr schwärmt von den Wildtieren, die bis in die Nähe der Häuser kämen. Das sei für immer vorbei, wenn zwei Jahre lang rund um die Uhr gebohrt werde. Die Beweissicherung vor Baubeginn diene nur zur Absicherung der Geo Energie. «Wenn es schiefgeht, sind unsere Gesundheit und unsere Häuser kaputt», sagt Fehr. Das Foto auf der Homepage der Geo Energie sei zwölf Jahre alt. Viele neuere Häuser fehlten darauf, sagen Behr und Rainer Hartmann. So schaffe man kein Vertrauen.

«Ich habe grosse Angst vor den Erschütterungen. Der Stammerberg ist instabil», sagt Strasser. «Was wird aus den Kindern, wenn sie nicht mehr schlafen und lernen können?», sagen Behr und Doreen Zimmermann. Sie glauben, dass die Dampfturbinen so laut sind, dass sie der Gesundheit schaden. Hartmann will Erdwärmekraftwerke dort bauen, wo keine Häuser stehen. Mehrmals fällt das Wort Waffenplätze.