Antibiotikum in Äpfeln

In Äpfeln aus den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Zürich sind Spuren des Antibiotikums Streptomycin gefunden worden. Die Konzentrationen seien für die Gesundheit der Konsumenten völlig unbedenklich, sagt der Kantonschemiker.

Markus Schoch
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frauenfeld. Dieses Jahr konnten die Obstbauern in der Schweiz zum erstenmal das Antibiotikum zur Bekämpfung des Feuerbrandes auf die Blüten spritzen. Für die Umwelt bestehe keine Gefahr, versicherten die zuständigen Stellen wiederholt. Das Pflanzenschutzmittel baue sich an der Sonne innert weniger Stunden ab, schreibt das Thurgauer Landwirtschaftsamt auf seiner Homepage. Es bestehe «eine absolute Garantie, dass in Äpfel und im Apfelsaft keine Spuren dieses Pflanzenschutzmittels vorhanden sein werden», sagte der zuständige Regierungsrat Kaspar Schläpfer im Februar dieses Jahres im Tagblatt-Interview.

Analysen von Äpfeln aus behandelten Anlagen in den Kantonen Thurgau, St. Gallen und Zürich werfen jetzt aber Fragen auf. Denn in 55 von 62 Proben finden sich im Fruchtfleisch kleinste Rückstände im Bereich zwischen 0,0005 und 0,009 Milligramm pro Kilo. Ähnliche Resultate sind bereits aus Vorarlberg bekannt (Tagblatt von gestern).

Zum Vergleich: In Österreich gilt für pflanzliche Lebensmittel ein Höchstwert von 0,05 Milligramm pro Kilo. Beim Honig hat der Bund in bezug auf Streptomycin einen sogenannten Interventionswert von 0,01 Milligramm pro Kilo festgelegt.

Absolut unbedenklich

Über die Ursachen der Verunreinigung rätseln die kantonalen Laboratorien, die sich an der Testreihe beteiligten. «Wie das Streptomycin in die Äpfel gekommen ist, wissen wir nicht», sagt der Thurgauer Kantonschemiker Christoph Spinner. «Ich bin völlig überrascht vom Ergebnis.» Eigentlich hätten sie wie vorausgesagt zeigen wollen, dass sich keine Rückstände in Äpfeln finden lassen. Der Kanton hat «genauere Untersuchungen» in Aussicht gestellt.

Klar ist, dass die gefundenen Spuren Rückstände vom Frühling sind. Denn in nichtbehandelten (Kontroll-)Anlagen waren 22 von 23 Proben frei von Streptomycin; der positive Wert stammt aus dem Kanton Zürich.

Für die Konsumenten bestehe keine Gefahr, betont Spinner. «Die Konzentrationen sind absolut unbedenklich. Es besteht kein gesundheitliches Risiko.» Selbst wenn jemand 210 Äpfel pro Tag essen würde, müsste er keine Schäden befürchten, rechnet er vor mit Verweis auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation in bezug auf Streptomycin.

Dass überhaupt Spuren nachgewiesen werden konnten, sei eine «analytische Höchstleistung» der beiden Laboratorien in Zürich und St. Gallen, wo die Äpfel untersucht wurden, sagt Spinner.

Strategie überdenken

Die Vorarlberger wollen aufgrund der neuesten Erkenntnisse ihre Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrandes überdenken. «Für mich ist der Einsatz von Streptomycin in weite Ferne gerückt», erklärte der zuständige Landesrat Erich Schwärzler am Samstag.

In der Schweiz ist das Bundesamt für Landwirtschaft am Zug, das entscheiden muss, ob Streptomycin auch im nächsten Jahr eingesetzt werden darf.

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