Ansturm aus anderen Kantonen

Die Thurgauer Wohnbevölkerung hat im Jahr 2013 um 1,5 Prozent zugenommen. Der Zustrom der deutschen Bevölkerung hat etwas nachgelassen. Dafür lassen sich immer mehr Leute aus anderen Kantonen im Thurgau nieder.

Ralf Rüthemann
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FRAUENFELD. Vergangenes Jahr stieg die Einwohnerzahl des Thurgaus um 1,5 Prozent von 254 528 auf 258 255. Seit 2007 wuchs die Thurgauer Bevölkerung Jahr für Jahr um mindestens ein Prozent. Die höchsten Wachstumsraten wurden in den Jahren 2008 und 2012 mit je 1,6 Prozent erreicht.

Der Zuwachs der deutschen Wohnbevölkerung flacht leicht ab. Ende 2013 lebten rund 20 200 Deutsche im Thurgau, was gut fünf Prozent mehr als im Vorjahr ist. In den Jahren davor war der Zuwachs der deutschen Wohnbevölkerung um einiges höher. 2007 (16 Prozent) und 2008 (17 Prozent) kamen besonders viele Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit in den Thurgau. Die Gesamtzahl der Ausländer nahm im Jahr 2013 um 2170 zu.

Thurgau ist an zweiter Stelle

Der Thurgau zieht auch die Leute aus anderen Kantonen an, wie die Statistik des Kantons zeigt. «Nur Freiburg hat mehr Zuzüger aus anderen Kantonen», sagt Ulrike Baldenweg, Leiterin der kantonalen Dienststelle für Statistik. «Die Tendenz geht schon seit einigen Jahren in diese Richtung.» Der interkantonale Wanderungssaldo beträgt im Thurgau +5,4 Personen je 1000 Einwohner. Dies entspricht 1550 Personen. In Freiburg sind es +7,6 Personen. Der grosse Verlierer bei dieser Statistik ist der Kanton Appenzell Innerrhoden mit –8,3. Für Baudirektor Jakob Stark ist es kein Wunder, dass der Thurgau an zweiter Stelle ist: «Unser Kanton ist attraktiv, hat erschwingliche Bodenpreise und bietet hohe Lebensqualität.» Es sei vor allem auch wichtig, dass die Raumplanung weiterhin sorgfältig gemacht wird. Im Moment sei das Angebot von Bauland optimal: «Wir können verdichtet bauen, Kulturland schonen, Zersiedelung vermeiden und so die einzigartige Thurgauer Landschaft erhalten.»

Bautätigkeit treibt Zahlen hoch

Langrickenbach ist die Gemeinde, die im Jahr 2013 prozentual am meisten zulegte. Die Bevölkerung wuchs dort um 6,8 Prozent. Märstetten mit 5 Prozent und Müllheim mit 4,5 gehören ebenfalls zu den grossen Gewinnern. «Aufgrund reger Bautätigkeit haben wir erwartet, dass die Zahlen aufwärtsgehen», sagt Jakob Thurnheer, Gemeindeammann von Müllheim. Ein weiterer Grund für das Bevölkerungswachstum sei die Attraktivität der Gemeinde: «Wahrscheinlich hat keine andere Gemeinde, die so klein ist, ein solch umfassendes Angebot wie Müllheim», sagt Thurnheer. Eine Gemeinde, bei der die Einwohnerzahl im Jahr 2013 zurückging, ist Steckborn. Für Stadtammann Roger Forrer ist das aber keine Überraschung. «Vor etwa drei Jahren hatten wir eine grosse prozentuale Zunahme. Momentan sind wir aber auch im Wohnraum wieder ein wenig eingeschränkt.»

Nicht prozentual, sondern anzahlmässig wächst der Bezirk Kreuzlingen schon seit über zehn Jahren am stärksten. Im Jahr 2013 gab es in der Stadt Kreuzlingen eine Bevölkerungszunahme von 331 Einwohnern. Münsterlingen, Lengwil, Tägerwilen und Altnau gehören ebenfalls zu den Gemeinden mit dem stärksten Wachstum.