ANDACHT: Nachtwandeln von Licht zu Licht

Noch einmal leuchteten sie alle, die Adventsfenster. Die «Arboner Zeitfrauen», und in ihrem Gefolge mehr als 200 Personen, haben mit einer besinnlich-heiteren Altstadtwanderung das alte Jahr ausklingen lassen.

Max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch
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Helene Bodenmann berichtet auf dem Storchenplatz vom verheerenden Stadtbrand. (Bild: Max Eichenberger)

Helene Bodenmann berichtet auf dem Storchenplatz vom verheerenden Stadtbrand. (Bild: Max Eichenberger)

Gerundet haben früher in der Arboner Altstadt die Ordnungshüter. Sie trugen meistens einen Schnauz, um Respekt zu erheischen. Mit Säbel und Knüppel, später mit der Pistole am Gurt schauten sie zum Rechten. Auch dass in den Wirtschaften, die es an jeder Ecke gab, weder überbordet noch überhöckelt wurde.

Mit den touristischen Stadtrundgängen hat der damalige Verkehrsverein die Männerphalanx durchbrochen. Seither «runden» auch weibliche Stadtführer, wissbegierige Teilnehmer im Schlepp. Im Sommerhalbjahr sind es meist Gäste, die sich die Sehenswürdigkeiten zeigen und geschichtliche Hintergründe erklären lassen.

Eine dezidiert politische Färbung hat indessen der Stadtrundgang «Arbon linksrum». Im Zentrum stehen – geschlechterneutral – die erkämpften Werte und Errungenschaften der Sozial­demokratie und der Gewerkschaften im einst «roten Arbon». Vor allem die Rolle der Frauen in der Geschichte der Stadt wiederum beleuchten die «Arboner Zeitfrauen». Sie tun dies, in Kostümen aus früheren Zeiten, seit dem Sommer 2012 bei ihren Rundgängen durch die Stadt an verschiedenen Orten mit szenisch gespielten Einlagen. Die Frauen, alle Laiendarstellerinnen, halten mit ihrem sozial­historisch angehauchten Szenentheater die Kultur wach. Auch im Dezember, wenn in der Altstadt die Adventsfenster leuchten und der bevorstehende Jahreswechsel zur besinnlichen Einkehr mahnt.

Über 200 Personen waren es Donnerstagabend, die den Zeitfrauen beim Gang durch die Gassen Gefolgschaft leisteten und diese und jene Geschichte unterwegs zu hören bekamen. So die vom verheerenden Stadtbrand 1494. Es waren die Söhne eines gehängten Diebs, die sich gerächt und den Brand gelegt hatten. Bei Punsch und Glühwein vor Michaelas «Ilge» klang die stimmungsvolle Stadtwanderung aus.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch