Anatomie und Darmgeräusche

Zum 200-Jahr-Jubiläum ihrer Standesgesellschaft öffnen 19 Thurgauer Tierarztpraxen ihre Türen dem Publikum. In der Klinik Stockrüti in Berg dürfen Kinder Ponys und Pferde abhorchen.

Daniela Ebinger
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Gian Wattinger untersucht das Pony Fridolin. (Bild: Daniela Ebinger)

Gian Wattinger untersucht das Pony Fridolin. (Bild: Daniela Ebinger)

BERG. Gespannt horcht Linus Ming bei Canylla durch das Stethoskop nach Darmgeräuschen. «Pferde habe ich zu Hause auch, aber kein solches Ding», sagt der Bub. Auf Canyllas Fell haben die Tierärzte mit weisser Farbe einen Teil der Knochen des Pferdes nachgezeichnet. «Damit können wir den Besuchern grob die Anatomie der Pferde erklären», sagt die Tierärztin Ursi Haas. Sie ist eine der 11 Tierärzte in der Klinik Stockrüti in Berg.

19 Tierarztpraxen feiern am Samstag mit einem Tag der offenen Tür ihr 200 Jahr-Jubiläum der Gesellschaft Thurgauer Tierärztinnen. In Berg kann nicht nur Einblick in den Praxisbetrieb genommen werden. Nebst einer Festwirtschaft werden den interessierten Besuchern auch Vorträge geboten, unter anderem über das Einschläfern von Pferden, über Entwurmung und Impfung.

Friedliches Einschläfern

«Bei der Euthanasie wahren wir die Würde des Pferdes», sagt Christian Haas. Er bezeichnet es als wichtig, dass dieser schwierige Moment für Besitzer und Tier in ruhiger Atmosphäre und friedlich verläuft. Haas schläfert im Schnitt sechs Pferde pro Woche ein.

Draussen an der Sonne kniet Gian Wattinger vor Fridolin. Das Pony lässt die Untersuchung anscheinend gerne über sich ergehen. Es geniesst die Streicheleinheiten, die es dabei bekommt. Der Bub findet das Stethoskop interessant. Aber auch im Labor findet er es spannend. Dort sieht er unter dem Mikroskop eine Laus und einen Floh genauer an.

Endoskop erspart weite Wege

In einem Sprechzimmer erklärt Tierärztin Maja Tischhauser die erst vor kurzem erworbene Neuigkeit der Klinik. Mit dem Endoskop zeigt sie dem Ehepaar Meier, wie bei einem Untersuch vorgegangen wird. «Das hätten wir vor drei Jahren bei unserem Hund gebraucht», sagt Alfred Meier. Sie hätten damals mit ihrem Haustier ins Tierspital Zürich fahren müssen.

Bei einem Wettbewerb müssen die Besucher Röntgenbilder deuten. «Röntgen ist eine alte Methode, aber auch in der heutigen modernen Medizin nebst dem CT und MRI immer noch nicht wegzudenken», sagt Donat Inauen.

Nebst den Räumlichkeiten der Klinik steht auch der Grosstier-Rettungsdienst mit seinem Ambulanzzug zur Besichtigung bereit. Er ist in heiklen Situationen ein wichtiges Bindeglied zwischen Tierärzten und Kliniken. «Für die Führung eines Stützpunktes fehlt uns im Thurgau leider das nötige Personal», sagt Michael Metz, Stützpunktleiter Rheintal. Daher rückt meist ein Team von Zürich oder dem Rheintal in den Thurgau aus. Die Anfahrtszeit ist entsprechend länger.

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