An der Thur auf der Suche nach Unsichtbarem

FRAUENFELD. Der Exil-Thurgauer Fotograf Andri Stadler bestreitet das diesjährige Sommeratelier des Vereins Neuer Shed im Eisenwerk. Er will in den kommenden Wochen zwei neue Fotografiereihen aufgleisen. «Aber vielleicht gibt es auch etwas ganz anderes», sagt er. Vernissage feiert Stadlers Schau auf jeden Fall am 28. August.

Mathias Frei
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In der Shedhalle: Andri Stadler will mit Beamerprojektionen arbeiten. (Bild: Mathias Frei)

In der Shedhalle: Andri Stadler will mit Beamerprojektionen arbeiten. (Bild: Mathias Frei)

Seine Bilder sind unsichtbar, sie zwingen einen, genauer hinzusehen. Denn sie zeigen eben stets mehr oder auch weniger als Schwarz. Und dann zwingt plötzlich das Licht Andri Stadler, genauer und anders hinzusehen. Er lag unter einem Baum, wollte die Baumkrone abzeichnen. Aber ständig warf das Licht durch das Laub hindurch Flecken auf das Papier. Das ist Stadler kürzlich an der Thur passiert.

Seit Montag campiert der aus Aadorf stammende Fotograf, der nun in Luzern lebt, nahe Frauenfeld an der Thur. Seit Montag arbeitet er im Sommeratelier des Neuen Sheds. Diese Lichtflecken könnten für Stadler der Ausgangspunkt für eine neue Bildreihe sein, die schliesslich im Eisenwerk zu sehen sein wird. Die Lichtflecken ähneln Baumwollbüschel hinter Milchglas. «Aber vielleicht gibt es auch etwas ganz anderes», erklärt Stadler, als er am Mittwochabend sein Atelier für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Fest steht auf jeden Fall: Stadler muss sich bald entscheiden. Noch gut vier Wochen hat er Zeit bis zur Vernissage.

Im Auenwald auf Streifzug

Auf einem seiner Streifzüge an der Thur im Dämmerlicht hat er Auenwald-Bilder gemacht: eine mögliche zweite Reihe, die ungleich dunkler daherkommt als die hellen Lichtflecken. Stadlers Ziel für die Shed-Ausstellung sind zwei neue Arbeiten. Dazu kommen Bilder, die im vergangenen Jahr entstanden sind. Einerseits sollen die kleinformatigen Fotografien gerahmt werden, andererseits sind auch Beamerprojektionen das Mittel seiner Wahl.

Eine Publikation über Stadler

Das Shed-Sommeratelier ist Stadlers erste Soloausstellung im Thurgau, nachdem er 2013 einen Förderbeitrag des Kantons Thurgau erhielt und im selben Jahr an der Werkschau der Kulturstiftung mittun konnte. Die Kulturstiftung widmet ihm nun auch die neuste Ausgabe von «Facetten». Die Publikation wird an der Vernissage am 28. August vorgestellt.

Fotografie sei prädestiniert für die detailgetreue Abbildung, sagt Stadler. Aber bei ihm kehrt sie genau ins Gegenteil. Das nur diffus Erkennbare oder das Unsichtbare im Bild lässt am eigenen Sehen zweifeln. Genau das schätzt Mirjam Wanner vom Neuen Shed, selber auch Fotografin, an Stadlers sehr poetischer Bildsprache: dass sie den Kopf, aber auch die Sinne anspricht. Sie ist sich sicher, dass mit Stadler «etwas für und mit der Shedhalle entsteht».

Sommeratelier-Ausstellung: Vernissage: Fr, 28. August. Ausstellung bis 2. Oktober. Neuer Shed im Eisenwerk, Frauenfeld.