An der Expo ist der öV eine Attraktion

Der Zug soll alle Expo-Standorte miteinander verbinden. Dafür muss das dichtbefahrene Schienennetz noch dichter befahren werden. Das Team, welches den Expo-Wettbewerb gewonnen hat, hat deshalb Fahrplanspezialisten beigezogen. Bei den Bahnunternehmen kommt die Idee gut an.

Michèle Vaterlaus
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ROMANSHORN. Das Schienennetz der Schweiz ist stark ausgelastet. An der Expo 2027 sollen trotzdem noch mehr Züge auf den Gleisen der Ostschweiz fahren. So sieht es zumindest das Konzept Expedition27 vor (Thurgauer Zeitung vom 14. September). Auf drei Ringbahnen – der Küsten-, der Stadt- und der Bergbahn – sollen Züge auf dem bestehenden Schienennetz fahren. Das Team um Markus Schaefer hat sich intensiv damit beschäftigt und ist sich der sekundengenauen Planung des Schienenverkehrs bewusst. «Wir haben deshalb Spezialisten für die Eisenbahnplanung in unserem Team», sagt Schaefer. Felix Laube und Manuel Roos vom Beratungsbüro Emch und Berger würden sich genauestens damit auskennen. Laube habe lange an der Fahrplanplanung der SBB gearbeitet, derzeit stelle er das Eisenbahnnetz von Dänemark auf den Kopf, und Roos sei ein richtiger Fahrplan-Fetischist. «Sie haben die langfristige Planung des Fahrplans im Jahr 2027 angeschaut und überlegt, wo es noch Kapazitäten gibt. Der ExpoZug soll schliesslich öfter fahren als ein normaler Zug.»

Züge mit offenen Fenstern

Im Detail seien die Ringbahnen noch nicht geplant. «Wir müssen diverse Aspekte beachten, nicht nur die Fahrplandichte, sondern auch, wo der Zug halten kann und wie wir mit Sackbahnhöfen wie jenem in Romanshorn agieren oder was für Zugkompositionen wir einsetzen.» Er wünscht sich Einheitswagen 4 von den SBB, die für die Expo umgestaltet werden. Die etwas älteren tannengrünen Züge also, bei denen man das Fenster öffnen kann. Mit den Appenzeller Bahnen und der SOB hatte das Team bereits Kontakt. «Die Idee wurde positiv aufgenommen.» Noch nicht gesprochen hat er mit den SBB oder der Thurbo AG. «Das war etwas schwierig, weil die Teilnahme am Wettbewerb vertraulich war. Gallus Heuberger, Mediensprecher der Thurbo AG, zeigt sich erfreut über der Idee. «Das ist in unserem Sinne, wenn der öV zur Attraktion wird.» Es stelle sich natürlich die Frage, inwiefern die Idee von den Anlagen her realisierbar sei. «Wir haben ein grosses Netz von Einspurstrecken. Es ist daher zentral, in welcher Dichte die Züge fahren.»

Fischernetz ausgeworfen

Angesprochen auf die Idee reagieren auch die SBB positiv: «Grundsätzlich werden wir das unterstützen, wenn die Besucher der Expo den öffentlichen Verkehr nutzen sollen und der Transport ökologisch organisiert wird», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Im Detail stellen sich dann Fragen, ob wir auf den Schienen genug Platz haben, ob entsprechendes Rollmaterial vorhanden ist und wer das Ganze finanziert.» Bei der Finanzierung des Nahverkehrs seien vor allem die Kantone gefragt. Um einzuschätzen, ob der Expo-Zug realisierbar sei, brauchen die SBB zuerst ganz konkrete Wünsche von Schaefer und seinem Team. Dieser hat vor, sobald alles konkreter wird, mit den Bahnen in Kontakt zu treten. «Das Konzept ist erst einmal der Auswurf eines grossen Fischernetzes. Wir werden sehen, was alles hängenbleibt.»