Amt für Umwelt macht Druck bei Sanierung der Kugelfänge

Frauenfeld Thurgauer Schützenvereine fürchten um ihre Existenz. Denn das kantonale Amt für Umwelt hat überraschend verfügt, dass sie ihre Kugelfänge bis 2025 sanieren müssen.

Thomas Wunderlin
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Frauenfeld Thurgauer Schützenvereine fürchten um ihre Existenz. Denn das kantonale Amt für Umwelt hat überraschend verfügt, dass sie ihre Kugelfänge bis 2025 sanieren müssen. Der Bottighofer SVP-Kantonsrat Erwin Imhof, Präsident des Schützenvereins Kreuzlingen und des Bezirksvereins Kreuzlingen, will deshalb mit einer Einfachen Anfrage erfahren, weshalb das Amt für Umwelt «in eigener Dynamik» die Sanierung terminiert hat.

Dass die Schützen ihre Kugeln nicht mehr in Erdwälle schiessen sollen, ist seit rund zehn Jahren bekannt. Der Bund verlangt die Umrüstung auf künstliche Kugelfangsysteme. Viele Gemeinden und Schiessvereine haben einen neuen Kugelfang installiert, ohne den alten zu sanieren. Sie müssen nun den neuen Kugelfang abbauen, um den zuvor verwendeten Erdwall sanieren zu können. Oft gebe es keinen Grund zur Eile bei der Sanierung, sagt Imhof, da das Areal nicht landwirtschaftlich genutzt werde. Der Bund werde seinen Sanierungsbeitrag auch später noch zahlen.

Für Fehlschüsse braucht es weiterhin einen Erdwall

Ausserdem könne man es sich ersparen, den Wall zweimal zu sanieren. Denn hinter einem künstlichen Kugelfang braucht es weiterhin einen Wall, um Fehlschüsse aufzufangen. Auch dieser muss irgendwann saniert werden, was allerdings einfacher ist als bei einem Wall, der direkt hinter den Zielscheiben liegt.

Ein künstlicher Kugelfang ist ein riesiger Metallkasten, wie Imhof erklärt. «Das Blei fällt in eine Schublade, die man einmal im Jahr leeren muss.» Noch gibt es im Thurgau rund 120 Kugelfänge, die nicht saniert sind. Wird bis Ende 2020 ein künstlicher Kugelfang installiert, zahlt der Bund 8000 Franken pro Scheibe an die Sanierung des zuvor verwendeten Erdwalls, was 40 Prozent der Gesamtkosten entspricht.

Imhof kritisiert auch einen Regierungsbeschluss, der Schützenvereine mit mehr als 10 000 Franken Eigenkapital als zahlungsfähig erachtet. Das heisst, dass der darüber hinausgehende Betrag an die Sanierung von Schiessanlagen verwendet werden muss. Das bedroht die Schützenvereine laut Imhof in ihrer Existenz. Er hat den Eindruck, dass der Kanton Thurgau «möglichst wenig an die Finanzierung» der Schiessanlagen beitragen will. Andere Kantone seien weit grosszügiger.

Der Chef des Amts für Umwelt, Beat Baumgartner, teilt auf Anfrage mit: «In Absprache mit dem Departement nehmen wir nie Stellung zu Fragen, die in politischen Vorstössen gestellt werden, bevor sie in der Regierung behandelt worden sind.»