Am Montag kommen die ersten

Im Durchgangsheim Matzingen ziehen am Montag die ersten Bewohner ein: Zwei Familien aus der Mongolei und Sri Lanka. Weitere Asylbewerber kommen später, wenn neue Schlösser eingebaut sind.

Thomas Wunderlin
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Die ehemalige Wirtewohnung steht für den Einzug bereit, nur die Schlösser müssen noch ausgewechselt werden. (Bild: Donato Caspari)

Die ehemalige Wirtewohnung steht für den Einzug bereit, nur die Schlösser müssen noch ausgewechselt werden. (Bild: Donato Caspari)

MATZINGEN. Einzelpersonen oder Familien? Die Frage war umstritten an der Infoveranstaltung zum neuen Durchgangsheim im Matzingen. Eine leichte Mehrheit der Votanten sprach sich für Familien aus (TZ, 28.10.). Nun ziehen nächsten Montag zwei Familien ein, sagt Beat Keller, stellvertretender Gesamtleiter der Peregrina-Stiftung, die im Auftrag des Kantons die Durchgangsheime führt.

«Ich bin sehr froh, wenn es so ist», sagt Gemeindeammann Walter Hugentobler. «Leute in einem Familiensystem übernehmen untereinander grosse Verantwortung. Anders ist es bei Einzelpersonen, die nichts zu verlieren haben.»

Fünf Personen kommen: ein Mongole und ein Paar aus Sri Lanka mit je einem Kind. Zurzeit befinden sie sich im Durchgangsheim Frauenfeld. Vor ein, beziehungsweise drei Wochen hat der Bund die beiden Familien dem Thurgau zugewiesen, der zur Aufnahme verpflichtet ist. Der Bund verteilt die Asylbewerber proportional zur Einwohnerzahl der Kantone. Der Kanton verteilt die Asylbewerber seinerseits proportional zur Einwohnerzahl weiter an die Gemeinden. Matzingen nicht eingerechnet, verfügen die Thurgauer Durchgangsheime über 248 Plätze. Die Auslastung beträgt laut Keller zurzeit rund 100 Prozent. Je stärker sie belegt sind, destso schneller reicht der Kanton die Asylbewerber in die Obhut der Gemeinden weiter.

Zu Diskussionen geführt hatte letzten Mittwoch auch die Belastung der Schule: Diese braucht vorerst nichts zu unternehmen, denn die beiden Kinder sind kaum den Windeln entwachsen.

Wohnen in Mehrbettzimmern

Weitere fünf Asylbewerber werden laut Keller «bald» in Matzingen plaziert. Genauer kann er es noch nicht sagen. Zuvor müsse er neue Schlösser einbauen lassen. Die Bewohner sollen Schlüssel erhalten, die zugleich für die Haustür und ihr eigenes Zimmer passen, nicht aber für andere Zimmer. Wobei man in Durchgangsheimen nicht mit einem Einzelzimmer rechnen kann, wie Regierungsrat Bernhard Koch an der Informationsveranstaltung sagte.

Der designierte Leiter des Durchgangsheims, der 47jährige Teodore Pugliese, wird zurzeit in bestehenden Durchgangsheimen in seine Aufgabe eingeführt. Er wird voraussichtlich erst in Matzingen stationiert, wenn das Umnutzungsgesuch für die Restauranträume bewilligt worden ist. Dann sollen bis zu 30 Asylbewerber untergebracht werden.

Sie bleiben in der Regel sechs Monate, in denen sie lernen, ohne Betreuung in der Schweiz zu leben. Auf dem Lehrplan stehen auch Sitten und Gebräuche, wie Keller an der Infoveranstaltung erklärte. Beispielsweise sei es in manchen Kulturen unter Männern üblich, Hand in Hand zu spazieren. Ihnen wird gesagt, dass das in der Schweiz nicht gut ankommt. Auf dem Programm steht täglich am Vormittag eine Stunde Deutsch. Für den Unterricht ist der Heimleiter zuständig. In Matzingen wird am Anfang voraussichtlich eine Mitarbeiterin der Stiftungszentrale in Frauenfeld diese Aufgabe übernehmen.

Leben mit 12 Franken pro Tag

Die Unterkunft ist für Asylbewerber unentgeltlich. Fürs Essen müssen sie sich selber organisieren. Sie erhalten 3 Franken Taschengeld und 9 Franken fürs Essen pro Tag, ausserdem alle drei Monate 65 Franken Kleidergeld. Nehmen sie an einem der freiwilligen Beschäftigungsprogramme teil, die nachmittags angeboten werden, erhalten sie 3 Franken pro Stunde. Für Asylbewerber gilt während drei Monaten nach der Einreise ein Arbeitsverbot; falls sie danach eine Stelle finden und die notwendige Bewilligung erhalten, fällt die staatliche Unterstützung weg, und sie dürfen in die Nähe des Arbeitsorts ziehen.

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