Am Horizont droht das Jahr 2012

Auch im Thurgau müssen bestehende Wasserkraftwerke saniert werden, wenn sie dem Gewässerschutzgesetz nicht mehr genügen. Beim Kanton ist man zuversichtlich, dass das bis in fünf Jahren gelingt.

Martin Knoepfel
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Papierfabrik Bischofszell: Das Wasserkraftwerk zählt zu den Thurgauer Anlagen, die saniert werden müssen. (Bild: Nana do Carmo)

Papierfabrik Bischofszell: Das Wasserkraftwerk zählt zu den Thurgauer Anlagen, die saniert werden müssen. (Bild: Nana do Carmo)

frauenfeld. Wo eigentlich ein Bach oder Fluss sanft plätschern oder rasch fliessen sollte, erstreckt sich eine Kieslandschaft. Man erblickt wenig oder gar kein Wasser. So sehen nicht nur die Folgen einer Dürre aus. Für ausgetrocknete Bach- oder Flussbetten können auch Kraftwerke verantwortlich sein, die wenig oder gar kein Restwasser übriglassen müssen.

Im Thurgau gibt es 24 Wasserfassungen für Kraftwerke. 23 davon müssen gemäss eidgenössischem Gewässerschutzgesetz saniert werden (siehe Kasten). Das steht in einer Übersicht der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz von 2006.

Das eidgenössische Gewässerschutzgesetz von 1992 macht bei neuen Wasserkraftwerken strenge Vorschriften über das Restwasser. Grundsätzlich dürfen Kraftwerke maximal 20 Prozent des Wassers aus Bächen oder Flüssen nutzen. Wenn Kraftwerke viel Restwasser übriglassen müssen, erzeugen sie weniger Strom. Bei einem Teil der Kraftwerke, die vor 1992 konzessioniert wurden, fehlen Vorschriften zu den Restwassermengen. Die Kantone müssen bis Ende 2012 Sanierungen anordnen. Das sagt das Gewässerschutzgesetz. Die Frist wäre eigentlich 2007 abgelaufen, sie wurde aber verlängert.

Sieben Anlagen saniert

Ist nun der Thurgau im Zeitplan? «Es läuft hervorragend», antwortet Marco Baumann, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft/Wasserbau im kantonalen Amt für Umwelt. Er und seine Mitarbeiter hätten bisher auf teure Sanierungsberichte verzichtet. Vielmehr hätten sie die Chance genutzt, beim Auslaufen oder bei der Erneuerung einer Konzession für ein Kraftwerk auf höhere Restwassermengen hinzuwirken.

Neue Konzessionen gebe es nur, wenn die Vorschriften über die Restwassermengen und über den Geschiebehaushalt eingehalten und wenn Fischtreppen erstellt würden. Bei sieben Anlagen in Frauenfeld, Murkart, Weinfelden und Kradolf-Schönenberg ist die Sanierung gemäss Baumann abgeschlossen. Diese erfüllten die neuen Vorschriften. Ein Beispiel ist das neue Kraftwerk bei der Zeughausbrücke in Frauenfeld.

Bei fünf weiteren Anlagen sei die Sanierung in Arbeit. Bei acht sei man im Projektstadium. Bei anderen müsse man die Sanierung noch anstossen. Baumann ist zuversichtlich, dass bis in fünf Jahren neue Konzessionen erteilt werden können, die dem Gewässerschutzgesetz genügen. Die Realisierung hänge davon ab, ob es gegen die Projekte Einsprachen gebe oder nicht, warnt Baumann.

Guten Willen attestiert

Der Hauptwiler Marco Nater ist Präsident des kantonalen Fischereiverbands. Er hofft, dass der Kanton vorwärts macht bei den Restwassermengen. Die Umweltverbände könnten entsprechende Bemühungen begleiten.

Ein weiteres Problem aus der Sicht der Fischer seien die künstlichen Hoch- und Niedrigwasserphasen, die der Kraftwerkbetrieb verursache. Nater zweifelt nicht am guten Willen der Mitarbeiter des Kantons, will aber wissen, was läuft. Er wolle in nächster Zeit vermehrt den Kontakt mit dem Kanton suchen.

Positiv tönt auch Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau. Er sei nicht unzufrieden mit der Situation, sagte er. Kappeler verhehlt aber nicht seine Skepsis gegenüber den Projekten für Kraftwerke an neuen Standorten.

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