Am Himalaja ist's am schlimmsten

Winterdienst in Frauenfeld ist nicht einfach, weil sich das Stadtgebiet auf knapp 300 Höhenmeter staffelt. Peter Lang vom Werkhof erklärt, wo die eiskalten Hotspots liegen und wieso Stadtbusse auch schon Umwege fuhren.

Mathias Frei
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Achtung, Glatteisgefahr! Winterdienst-Chef Peter Lang am Himalaja.

Achtung, Glatteisgefahr! Winterdienst-Chef Peter Lang am Himalaja.

FRAUENFELD. «Es gibt Nächte, da zieht's nirgendwo in der Innenstadt an – ausser am Himalaja. Da ist's dann hähl. Und wir müssen raus.» Für den städtischen Winterdienst unter der Leitung von Peter Lang ist das steile Stück Oberstadtstrasse unterhalb der katholischen Stadtkirche jeden Winter aufs Neue ein Hotspot. Der Himalaja liegt oft im Schatten. Und der massive Kunstbau-Untergrund kann sowieso kaum Wärme speichern. Deshalb sei es auch schon vorgekommen, dass ein Stadtbus-Chauffeur auf die mögliche Rutschpartie den Himalaja hinunter verzichtet habe – trotz aller Anstrengungen des Werkhofs. Die Fahrt ging dann halt über die Rheinstrasse an den Bahnhof.

Nebst der Strasse am Himalaja, die nur vom Stadtbus befahren wird, liegt hier ein besonderes Augenmerk auf dem Trottoir. «Unser Ziel ist es nämlich, dass bis morgens um 6 Uhr nicht nur alle Strassen, sondern auch mindestens eine Trottoirseite pro Strasse sowie die wichtigsten Treppen und Stege in der grösseren Bahnhofumgebung frei sind», sagt Lang.

Wie ein Fussballgoalie

Der Winterdienst bewirtschaftet 150 Kilometer Strassen und ebenso viele Trottoirkilometer. «Dass diese Abschnitte auf Meereshöhen zwischen 380 und 650 Metern liegen, macht es für uns nicht einfacher», sagt Lang. Heuer musste das Team – bei Volleinsätzen über 40 Mann – erst einmal ausrücken, vergangenen Dienstagmorgen in Gerlikon. «Dabei wären wir seit Anfang November parat.» Jetzt heisst es warten, bis der Winter einbricht – wie ein Fussballgoalie, der bis zur 90. Minute keinen Ball bekommt, aber in der Nachspielzeit den todsicheren Gegentreffer vereiteln muss.

Das Tor, also die Strasse, gilt es zum Beispiel an der Gerlikonerstrasse oberhalb der Bruder-Klaus-Kapelle sauber zu halten. Am Waldrand ob der Kurve liege oft die Nebelgrenze. Im Wald sei die Strasse jeweils trocken. Der Kurvenabschnitt liege im Schatten, erklärt Lang. Mit übersetzter Geschwindigkeit kann es heikel werden, wenn ein Auto in der Kurve abbremst. Deshalb steht hier eine von 13 Notfall-Boxen – für jedermann – mit drei 25-Kilo-Säcken Streusalz.

Schnell fahren schnell gefährlich

Immer im Auge behalten muss der Werkhof das Altholz hinter Huben. Frauenfeld besorgt den Winterdienst auf der Alten Landstrasse bis zur Altholzstrasse. Dieser Abschnitt ist eigentlich zu schlecht ausgebaut für die Anzahl Fahrzeuge, er ist zudem kurvenreich und hat viel Gefälle. Die hohen Tempi kommen noch dazu: «Hier wären eigentlich 60 Kilometer pro Stunde signalisiert», sagt Lang.

Grundsätzlich gilt beim städtischen Winterdienst: so viel Streusalz-Einsatz wie nötig, so wenig wie möglich. Dafür kommen im langjährigen Schnitt etwa 300 Tonnen Salz auf die Strassen. Im milden Winter 2013/14 waren es nur 135 Tonnen. Heikel waren aber auch im vergangenen Winter die Brücken. «Da gefriert's von unten und oben her», sagt Lang. Die Brücke mit dem längsten freien Brückenkörper (knapp 200 Meter) ist die Militärstrasse-Brücke über die Autobahn. Für zusätzliche Abkühlung sorgt hier der Wind, der über die Grosse Allmend hinwegfegt. Und die Brücke ist verhältnismässig steil.

Raus um 3 Uhr morgens

Bei grösseren Brücken im Kanton gibt es Temperatursensoren, in der Stadt nicht. Für Lang wären solche Fühler zwar ein Hilfsmittel. Am meisten Vertrauen hat er letzten Endes in die eigene Erfahrung und der seiner zwei Pikettleiter. Dafür müssen die Verantwortlichen aber jeweils nachts um 3 Uhr ihre Kontrolltour fahren. Ein weiterer Schritt wäre zum Beispiel eine Anlage im Himalaja-Trottoir, die temperaturabhängig Salzsole auf die Strasse spritzt. «Alles eine Frage des Geldes. Bei uns geht's auch ohne, dafür mit Manpower», sagt Lang.

Altholz Richtung Matzingen: Gefährlich wegen der engen Fahrbahn. (Bilder: Mathias Frei)

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Brücken sind immer heikel, so auch die längste bei der Militärstrasse.

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Glatteis und Kurve: Die Gerlikonerstrasse bringt Autofahrer an Grenzen.

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