Am Ende gab es einen Trostpreis

Am traditionellen Eschlikoner Gewerbe- und Industrieapéro sollte zum ersten Mal ein Umwelt- und Innovationspreis für das Gewerbe verliehen werden. Gemeldet hatte sich aber nur ein einziger Kandidat. Die Firma erhielt einen Trostpreis.

Ruth Bossert
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Sie diskutierten: Moderator Marc Haltiner, Unternehmer Martin Model, Schulpräsidentin Susanna Koller Brunner und die beiden Energiefachleute Andreas Koch und Andrea Paoli. (Bild: Ruth Bossert)

Sie diskutierten: Moderator Marc Haltiner, Unternehmer Martin Model, Schulpräsidentin Susanna Koller Brunner und die beiden Energiefachleute Andreas Koch und Andrea Paoli. (Bild: Ruth Bossert)

ESCHLIKON. Unter Strom stand der neue Eschliker Gemeinderat Peter Meier. Zumindest wies er in seinen Begrüssungsworten darauf hin, dass er als Gemeinderat zum ersten Mal am Gewerbe- und Industrieapéro teilnehme, und dass die Kommission Energie und Umwelt, die er präsidiert, den Abend mit viel Energie organisiert habe.

Ein Trost- statt Umweltpreis

Eigentlich hätte auch zum ersten Mal der Umwelt- und Innovationspreis für das Gewerbe verliehen werden sollen. Dass die Firma Bingesser Huber Elektro AG stattdessen nur einen Trostpreis erhielt, erklärte Bernhard Braun, Gemeinderat und früherer Präsident der Kommission Energie und Umwelt. Das Elektrofachgeschäft habe sich als einziger Kandidat gemeldet. Deshalb habe die Kommission beschlossen, den Preis in diesem ersten Jahr noch nicht zu vergeben und der innovativen Firma dafür einen Trostpreis zukommen zu lassen.

Braun kann sich nicht erklären, weshalb sich die Firmen nicht gemeldet haben. Er wisse von verschiedenen umweltbewussten Betrieben, die seit Jahren in erneuerbare Energie, ökologisch sinnvolle Projekte und in Wärmedämmungen investieren. Der Gemeinderat ist darum zuversichtlich: «Im nächsten Jahr gibt es sicher einen Preisträger.»

Druck auf die Unternehmen

Mit dem fehlenden Interesse für den Energiepreis beschäftigten sich auch die Podiumsteilnehmer zum Thema «Energieeffizient – strategische Bedeutung für Unternehmen». So wollte Moderator Marc Haltiner, Redaktor Thurgauer Zeitung, wissen, ob sich das ortsansässige Gewerbe zu wenig mit Energiepolitik befasse. Martin Model von der Inno-Recycling zeigte sich überrascht, kann sich aber vorstellen, dass bei Unternehmen, die stark unter Druck stehen, der Wettbewerb für einen Umweltpreis nicht zuoberst auf der Prioritätenliste steht.

Eine grosse Sensibilität für Energiefragen spürt Andrea Paoli von der Abteilung Energie des Kantons Thurgau auch beim Gewerbe und ist überzeugt, dass die Betriebe mithelfen, den Atomausstieg zu tragen. «Ich bin froh, hat nun auch der Thurgau beschlossen, den Ausstieg zu unterstützen.» Andreas Koch, Geschäftsleiter des Kompetenzzentrums für erneuerbare Energie Südthurgau (Keest), ortet bei den Gewerbebetrieben ein grosses Potenzial an Einsparungen. «Zehn Prozent finden wir immer.» Die Volksschulgemeinde verfolge ihre Vision, mittelfristig ohne Atomstrom auszukommen, sagte Schulpräsidentin Susanna Koller Brunner. Zurückhaltend äussert sich Model. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Atomausstieg, aber wir müssen die Aufgabe clever und richtig angehen.»

Strom vom Dach wird billiger

Für Paoli ist es wichtig, dass Firmen Anreize geboten werden. Ohne Fördermassnahmen gehe es nicht. Mit dem Keest verfolgt Koch genau dieses Ziel. Es sei wichtig, den Gewerblern den wirtschaftlichen Nutzen zu erklären. In der Diskussion warnte ein Votant, dass jeder Franken zuerst verdient werden müsse, bevor er ausgegeben werden könne. Das Sparpotenzial müsse erst ausgeschöpft werden, statt sofort grosse Investitionen zu tätigen. Paoli entgegnete, dass in zehn Jahren der Strom vom Dach billiger sein werde als der Strom aus der Dose. «Die Zukunft ist dezentral und davon profitiert das Gewerbe.»