Am Baseballschläger zerbricht die Freundschaft

Das Sonntagsgericht

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Der kräftig gebaute Glatzkopf soll einem Geschäftspartner einen Baseballschläger um die Ohren gehauen haben. Der Staatsanwalt will deshalb den 53-jährigen Mazedonier 28 Monate hinter Gitter bringen.

Seine Statur erwarb sich der Angeklagte durch die jahrzehntelange Arbeit auf dem Bau. Wegen eines Hirnschlags erhält er heute eine IV-Rente von 2500 Franken monatlich, sein einziges Einkommen. Er spricht ruhig, wirkt dabei etwas bedrückt. Deutsch scheint er gut zu verstehen, kann sich aber schlecht darin ausdrücken. Ein Dolmetscher hilft.

Den Baseballschläger schenkte ihm einst sein mutmassliches Opfer, ein 35-jähriger Albaner. Da waren sie noch befreundet und betrieben gelegentlich einen gemeinsamen Handel mit elektronischen Geräten. Auch am 14. Mai 2016 ging es um ein solches Geschäft. Der Mazedonier, der nebst seiner albanischen Muttersprache auch Serbisch spricht, agierte dabei als Vertreter und Dolmetscher für zwei Serben. Für seine Klienten kaufte der Mazedonier dem Albaner sechs Laptops ab. Da die Geräte allerdings schlecht funktionierten, wollte der Mazedonier die Geräte zurückgeben.

Der Albaner sollte sie bei ihm abholen, was dieser auch tat. Bei der Rückgabe auf dem Garagenvorplatz des Mazedoniers zahlte der Albaner den Kaufpreis von 600 Euro anstandslos zurück, kritisierte nur einige Kratzer an den Geräten.

Der Albaner wurde aber wütend, als ihm der Mazedonier anbot, die Laptops doch abzukaufen, allerdings zu einem tieferen Preis. Der Albaner wollte nicht mehr verhandeln und packte die Laptops in sein Auto.

Wie aus der Aussage des Albaners hervorgeht, wurde auch der Mazedonier wütend. Dieser habe in der Garage den Baseballschläger geholt und sei fluchend auf ihn zugerannt. Nur weil der Albaner zurückgewichen sei, habe ihn der Baseballschläger lediglich am Rücken erwischt.

«Wir sind nicht laut geworden, nicht gewalttätig», sagt der Mazedonier. Nach seiner Darstellung hat er den Albaner nicht geschlagen. Wieso ihn dieser angezeigt habe, wisse er nicht. Sein Verteidiger vermutet, der Albaner sei beleidigt gewesen, weil sich der Mazedonier für die Serben eingesetzt habe.

Der Albaner erscheint nicht zur Verhandlung im Münchwiler Gerichtshaus. Der Staatsanwalt kann sich deshalb nur auf dessen protokollierte Aussagen stützen. Er bemüht sich nach Kräften, den Angeklagten als unglaubwürdig darzustellen. Tatsächlich behauptet der Mazedonier in der Verhandlung, er sei ohne Vorstrafe. Dabei ist er aktenkundig im August 2014 verurteilt worden – wegen Förderung einer illegalen Einreise. Im Gespräch am Rande der Verhandlung erklärt er, er habe seine zweite Frau zu sich holen wollen.

Nicht gerade für die Glaubwürdigkeit des Mazedoniers spricht auch, dass er im Sommer 2016 gegenüber der albanischen Polizei behauptete, seinen Schweizer Führerausweis verloren zu haben. Die albanische Polizei stellte ihm darauf eine Bestätigung aus. Zusammen mit einer deutschen Übersetzung wies der Mazedonier dieses Papier vor, als ihn die Polizei am 18. August 2016 zwischen Sirnach und Münchwilen kontrollierte. Tatsächlich war ihm sein Führerausweis am 22. Januar 2016 auf unbestimmte Zeit entzogen worden.

Das Gericht hält den Mazedonier nur in den Nebenpunkten der Anklage für schuldig. Von der versuchten schweren Körperverletzung spricht es ihn frei. Die Richterin hält die Aussagen des Albaners für widersprüchlich. Ausserdem hatten die Serben, die ebenfalls Zeugen des Vorfalls waren, den Schlag mit dem Baseballschläger nicht bestätigt. Die Aussagen aller vier Beteiligten sind laut der Richterin «nicht sonderlich überzeugend». (wu)