Am Anfang vom Citruskäfer im Hinterthurgau stand ein Gedanke von Frau Villiger: «Mein Handy bewegt sich!»

SIRNACH. Ende August, vermutlich ein Donnerstag – sie wisse es nicht mehr genau – sass Beatrice Villiger mit ihren vier Töchtern und dem Nachbarsmädchen bei Tisch zu Mittag, draussen auf der Terrasse in der Parterrewohnung in der Sirnacher Untermatt, als sich «etwas bewegte».

Tanja von Arx
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SIRNACH. Ende August, vermutlich ein Donnerstag – sie wisse es nicht mehr genau – sass Beatrice Villiger mit ihren vier Töchtern und dem Nachbarsmädchen bei Tisch zu Mittag, draussen auf der Terrasse in der Parterrewohnung in der Sirnacher Untermatt, als sich «etwas bewegte». «Ich wollte nach dem Natel greifen», sagt die 39jährige Hausfrau und Mutter, «da sah ich stattdessen das riesige, grässliche Tier.»

Ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf: «Mein Handy bewegt sich!» Reagiert hat sie aber nicht gleich, als sie das befremdliche Insekt sah – weisse Punkte auf den schwarzen Flügeln, die Fühler fast doppelt so lang wie der Körper, das Tier selbst «so gross wie die Hand eines meiner Mädchen». So liess sie den Käfer draussen auf dem Tisch. «Ruhe gelassen hat es mir aber keine», sagt Villiger. So suchte sie einen Tag später danach bei Google.

«Citrusbockkäfer» stand da auf der Homepage bei «Waldschutz Schweiz». Und eine Nummer, die man wählen sollte, denn das Tier sei «meldepflichtig». Villiger verlor nun keine Zeit und rief das Bundesamt an. Der Verantwortliche war aber drei Wochen in den Ferien, erinnert sie sich. So probierte sie es bei der Zürcher Fachstelle für Pflanzenschutz, die eine Meldung an den Kanton Thurgau gab. «Es dauerte gerade zehn Minuten – da erhielt ich einen Anruf vom kantonalen Pflanzenschutz.» Am Apparat war Hermann Brenner, Leiter des Diensts. Er bat sie, den Käfer «sofort einzufangen».

Frau Villiger griff nach einem milchigen Tupperware und ging zurück auf die Terrasse. Dort lag der Käfer noch immer auf dem Tisch, «ganz unverändert». Sie schloss ihn im Gefäss ein. Einen Tag später standen die Männer des Thurgauer Pflanzenschutzes vor ihrer Tür, um das Insekt abzuholen. Villiger bezeichnet den Fund selber als «wunderlich» – das merke sie auch an den Reaktionen ihrer Nachbarn, die sie oft nach dem eingefangenen Tier fragen.