Alter kennt keine Parteigrenzen

Die jungen Thurgauer wünschen, dass die Alten so lange wie möglich im Arbeitsprozess bleiben. Das zeigt eine Umfrage der FDP-Projektgruppe «Top60».

Christof Lampart
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Sie sehen im Generationenwechsel die grosse Herausforderung der Zukunft: Bruno Lüscher, René Künzli und Walter Schönholzer. (Bild: Christof Lampart)

Sie sehen im Generationenwechsel die grosse Herausforderung der Zukunft: Bruno Lüscher, René Künzli und Walter Schönholzer. (Bild: Christof Lampart)

WEINFELDEN. Knapp 1000 Leute unterschiedlichsten Alters haben sie befragt. Das Ergebnis: Die «Generationenverträglichkeit» ist der Bevölkerung ein wichtiges Anliegen. Die Umfrage mit dem Namen «Wo drückt der Schuh?» wurde von der Projektgruppe «Top60» der FDP durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierte die Gruppe gestern an einer Medienkonferenz im «Trauben» in Weinfelden.

FDP-Kantonalpräsident Walter Schönholzer erklärte an diesem Anlass, dass die Umfrage ein «typisch liberales» Ergebnis zutage gebracht habe. Denn die Partei habe den Generationenwandel als grosse Herausforderung für die Zukunft für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik erkannt und dementsprechend zielgerichtet gehandelt.

Schlechte Vorbereitung

Aufgrund der Ergebnisse ist für den Präsidenten von «Top60», René Künzli, klar, dass künftig jedes neue Gesetz zwingend auf seine Generationenverträglichkeit überprüft werden muss, bevor es verabschiedet wird. «Genau so, wie heute jedes Bauvorhaben auf seine Umweltverträglichkeit hin überprüft wird», sagte er. Die Befragung wurde zwischen Juni und Juli dieses Jahres durchgeführt. Allgemein zeigen die Resultate viele Übereinstimmungen zwischen den Generationen. So sind die Befragten der Meinung, dass die Bevölkerung schlecht auf den unvermeidlichen Generationenwechsel vorbereitet sei. Die 10- bis 65-Jährigen verteilen bei dieser Frage gerade einmal eine 3, die Rentner eine 3,8.

«Deutlicher Fingerzeig»

Für den Vizepräsidenten von «Top60», Bruno Lüscher, ist dies ein «deutlicher Fingerzeig an die Politik, die den demographischen Wandel lediglich auf die Sozialwerke AHV und BVG reduziert».

Gemeinsam anpacken

Auch die Wirtschaft betrachtet die Befragten sehr kritisch. So würde das Fachwissen vieler älterer Mitarbeiter zu wenig geschätzt. «Sehr überraschend ist für mich das Resultat, dass sich die Jüngeren einen längeren Verbleib der Routiniers im Arbeitsprozess wünschen», sagte Künzli. Es zeigte sich, dass die Befragten sich wünschen, dass Frühpensionierungen eher die Ausnahme statt die Regel sind. Der Wunsch wurde leicht häufiger von jüngeren Befragten geäussert.

Die Umfrage zeigte zudem auf, dass es im Thurgau keine Anzeichen eines Generationenkampfes gibt. Vielmehr herrschte der Wunsch nach einem echten Miteinander beim Anpacken der demographischen Herausforderungen vor – was ganz im Sinne von «Top60» ist.

Alle dürfen mitmachen

Zwar versteht sich die liberale Projektgruppe bis dato als Teil der kantonalen FDP, doch lädt sie auch Parteilose oder Angehörige anderer Parteien dazu ein, aktiv an den Generationenwandel-Fragen mitzuarbeiten. Denn Themen wie Mobilität im Alter, barrierefreies Wohnen oder die Vernetzung von ambulanten und stationären Gesundheitsdiensten sind an keinerlei Weltanschauung gebunden. «Wir wollen die Gruppe weiter öffnen und laden alle ein, bei uns mitzumachen», sagte Lüscher.