«Alte Kläuse will keine Kasse»

Was brächte eine Einheitskrankenkasse? Mit dieser Frage setzen sich Politiker in Frauenfeld auseinander. Das Podium organisiert das Forum Gesundheit Schweiz.

Christof Lampart
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Über Einheitskasse diskutiert: Urs-Peter Beerli, Edith Wohlfender, Daniel Leuthard und Ulrich Müller (von links). (Bild: Christof Lampart)

Über Einheitskasse diskutiert: Urs-Peter Beerli, Edith Wohlfender, Daniel Leuthard und Ulrich Müller (von links). (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Unter der Leitung von SVP-Ständerat Alex Kuprecht diskutierten Urs-Peter Beerli (EVP), Edith Wohlfender (SP), Ulrich Müller (CVP) und Daniel Leuthard (FDP) über das Thema «Gesundheitswesen: Wahlfreiheit oder Monopol?»

Geringes Sparpotenzial

Für Kuprecht klagen die Schweizer auf hohem Niveau: «Der Standard ist hoch und wir haben einen guten Zugang zum Spitalwesen.» Doch die gute Infrastruktur, die Lebenserwartung und eine immer grössere Erwartungshaltung führten zur Kostenexplosion: 2010 wurden 62,5 Milliarden Franken fürs Gesundheitswesen ausgegeben. Zwar sei es toll, dass mit einer Einheitskasse gespart werden wolle, doch sei das Potenzial bei der Administration gering: «Das macht fünf Franken auf hundert Franken aus», so Kuprecht. Die wahren Kostentreiber seien die Spitäler.

Chancen und Risiken

CVP-Kantonsrat Ueli Müller betonte, dass das aktuelle System eine «nicht sehr soziale Krankenversicherung» etabliert habe, laufe doch eine knallharte Risikoauslese. «So alte Kläuse wie mich will keine Kasse.» Der Märstetter EVP-Kantonsrat und Hausarzt Urs-Peter Beerli gab zu bedenken, dass «wir vielleicht jetzt da ein bisschen einsparen könnten, dafür aber an einem anderen Ort wieder mehr ausgeben müssten». Edith Wohlfender sieht in der Einheitskasse eine Möglichkeit, dass nicht nur die Werbe- und Administrativkosten, sondern auch die Verwaltungsratshonorare wegfielen. Zugleich könnte eine Einheitskasse Prävention betreiben und Einfluss in die Behandlungen von Langzeitpatienten nehmen. Gerade davor warnte Daniel Leuthard, Vizepräsident der FDP Thurgau: «Eine Einheitskasse, bei der die politischen Instanzen noch mehr zu sagen haben, kann nicht die Lösung sein.»