Alte Gerichte neu eingefärbt

ISLIKON. Anfang September öffnet das A-la-carte-Restaurant Die Färberei im Greuterhof Islikon seine Tür. Ein zehnköpfiges Team freut sich darauf, die Gäste in den historischen Stuben zu bewirten. Dahinter steckt auch ein Sozialprojekt.

Beat W. Hollenstein
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Sie bilden das Kern-Team der «Färberei»: Danny Möhring, Küchenchef, Yvonne Müller, Gastgeberin, Jette Schultz, Betriebsassistentin, und Renato Blättler vom Lehrbetriebsverbund Wertvoll. (Bild: Beat W. Hollenstein)

Sie bilden das Kern-Team der «Färberei»: Danny Möhring, Küchenchef, Yvonne Müller, Gastgeberin, Jette Schultz, Betriebsassistentin, und Renato Blättler vom Lehrbetriebsverbund Wertvoll. (Bild: Beat W. Hollenstein)

Die Küche ist neu. Alles glänzt wie in einem TV-Spot für Putzmittel. Für 250 000 Franken ist sie eingebaut worden und entspricht dem neuesten Stand der Technik. Am 1. September werden die Herdplatten erstmals angedreht. Damit schliesst sich der Kreis: Schon einmal ist im ältesten Teil des Isliker Greuterhofs gewirtet worden, im 18. Jahrhundert. «Sternen» hiess das Lokal.

Hier schwingt Küchenchef Danny Möhring mit einem dreiköpfigen Team den Kochlöffel. Der 32jährige Deutsche stand vorher im Seegasthof Schiff in Kesswil am Herd.

Rund 60 Gäste können sich in den verschiedenen historischen Stuben an Tische und auf Stühle setzen, die aus der Biedermeierzeit stammen oder in der Schreinerei des Klosters Fischingen originalgetreu gefertigt worden sind. Moderne Lampen und Bilder stehen dazu in überraschendem Kontrast.

Beizenmeile in Islikon

Die Ziele sind hochgesteckt. «Die Färberei» soll Geniesser einer weiteren Region anlocken. Bis Ende Jahr hat das zehnköpfige Team Zeit, sich einen guten Namen zu erarbeiten. Denn dann wird die nahe «Sonne» wieder aufgehen. Deren neuer Wirt, Enzo Zuccherino vom «Il ristorantino» in Frauenfeld, hegt ebenfalls grosse Ambitionen und wird mediterrane Spezialitäten anbieten.

Mit «Sonne», «Löwen», «Ochsen», «Anker» und «Färberei» wird Islikon, das zur Politischen Gemeinde Gachnang gehört, künftig über eine regelrechte Beizenmeile verfügen.

Der Name des neuen Restaurants ist Programm, wie Renato Blättler gestern an einem Pressegespräch versicherte. Dessen Wertvoll GmbH hat den Betrieb von der Stiftung Greuterhof gepachtet. In der «Färberei» sollen farbige Gerichte auf den Tisch kommen. «Wir werden Färberpflanzen wie die Ringelblume, den Schwarzen Mais oder die Rande verwenden, mit denen wir Gerichte spannend ergänzen und präsentieren.» Das passt zum Greuterhof, dem Baudenkmal aus der Frühzeit der Industrialisierung. Hier hatte der Stofffärber und -drucker Bernhard Greuter vor 235 Jahren eine Indigo-Färberei eingerichtet.

Zum Konzept gehört auch, Lieferanten und Produzenten aus der Umgebung zu berücksichtigen. Der Küchenchef hat etliche Rezepte aus dem «Kochbuch der Catharina Fehr» von 1824 neu interpretiert. Diese war die Tochter des letzten Schultheissen von Frauenfeld, Salomon Fehr, und kochte für ihn und seine Gäste. Die Angebote bewegen sich laut Blättler im mittleren bis oberen Preissegment.

Ausbildungsplätze schaffen

Beim jüngsten Isliker Gastbetrieb handelt es sich um ein Sozialprojekt. Dahinter steckt der Lehrbetriebsverbund (LBV) Wertvoll aus Amriswil. Dessen Ziel ist es, für Jugendliche mit schwierigem Hintergrund Ausbildungsplätze zu schaffen und ihnen einen Abschluss mit eidgenössischer Anerkennung in zurzeit sechs Berufen zu ermöglichen. Heute werden 20 Jugendliche in sechs Berufen begleitet. Bereits vor einem Jahr haben zwei junge Leute im Greuterhof eine Ausbildung als Hauswart begonnen. Nächstes Jahr, «wenn der Betrieb sich eingespielt hat», will Blättler auch im Restaurant Lernende beschäftigen.

Auch dieser Hintergrund passt zum Industriepionier: Als sozial denkender Mensch hatte Bernhard Greuter für seine Mitarbeiter die erste Kranken- und Unfallversicherung der Schweiz eingeführt. Ab 1880 führten jedoch neue Techniken zum raschen Niedergang und zur Liquidation der Greuter'schen Unternehmung.

Unkonventionelle Werbung

Um unkonventionelle Werbe-Ideen ist das «Färberei»-Team nicht verlegen: Bereits am vorletzten Wochenende haben in Frauenfeld als Färberinnen verkleidete Schauspielerinnen die Werbetrommel gerührt.

Zudem wurden 3000 Greuter-Gulden geprägt, die jetzt unters Volk gestreut werden. Gegen Abgabe des Guldens erhalten die Gäste eine kleine Aufmerksamkeit.

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