«Als ob nichts gewesen wäre»

FRAUENFELD. Am Dienstag um 13 Uhr wurden die Maschinen heruntergefahren. Denn die Sia-Geschäftsleitung hatte zur grossen Betriebsversammlung geladen und verkündete die Hiobsbotschaft des massiven Stellenabbaus. Aussendienst-Mitarbeiter wurden zum gleichen Zeitpunkt per Mail informiert.

Mathias Frei
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Margrith Künzi Regionalsekretärin Gewerkschaft Syna (Bild: pd)

Margrith Künzi Regionalsekretärin Gewerkschaft Syna (Bild: pd)

FRAUENFELD. Am Dienstag um 13 Uhr wurden die Maschinen heruntergefahren. Denn die Sia-Geschäftsleitung hatte zur grossen Betriebsversammlung geladen und verkündete die Hiobsbotschaft des massiven Stellenabbaus. Aussendienst-Mitarbeiter wurden zum gleichen Zeitpunkt per Mail informiert. Auch Vertreter der drei Gewerkschaften Syna, Unia und Angestellte Schweiz waren vor Ort. «Die Emotionen gingen extrem hoch», sagt Syna-Regionalsekretärin Margrith Künzi.

Ein Leben lang für die Sia

Sie war am Dienstag bei der Betriebsversammlung. «Es kamen Männer zu mir, die mit 18 bei der Sia begannen. Heute sind sie 55 oder 56.» Sie erzählten der Gewerkschafterin, dass sie einmal stolz auf die Sia gewesen, für ihre Firma nicht nur gearbeitet, sondern gelebt hätten. Und jetzt? Das sei ein riesiger Einschnitt im Leben, sagt Künzi. Und sie gibt zu bedenken, dass viele langjährige und nicht selten auch nur angelernte Sia-Mitarbeiter betroffen seien.

Als kurz vor 15 Uhr die Betriebsversammlung zu Ende ging, mussten die Angestellten wieder an ihre Arbeitsorte zurückkehren. «Die Arbeit hätte weitergehen sollen, als ob nichts gewesen wäre», sagt Künzi. Aber in den einzelnen Abteilungen gingen die Diskussionen wohl erst richtig los.

Kein freier Nachmittag

Auch für Unia-Regionalsekretär Erich Kramer ist es unverständlich, dass man den Angestellten nach der Versammlung nicht anbot, freizumachen, damit sie erstmals den Kopf hätten auslüften können. «Jetzt müssen wir schauen, dass die Betroffenen nicht im luftleeren Raum hängen bleiben», sagt Kramer. Die Stimmung am Dienstagnachmittag sei jedenfalls sehr bedrückt gewesen.

Woran sich Kramer ebenfalls stört, ist die Tatsache, dass die Sia-Geschäftsleitung die Gewerkschaften und die interne Betriebskommission sehr kurzfristig informierte. Per Mail kam am Dienstag um 9 Uhr die Sitzungseinladung. Schon eine Stunde später begann die Vorinformation.

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