Als hielte der Raum den Atem an

Das Jugendorchester Wil war am Sonntagnachmittag zu Gast bei den Fischinger Kloster-Konzerten. Auf dem Programm standen Werke verschiedenster Epochen.

Carola Nadler
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Das Wiler Jugendorchester trat mit zwei Streicherensembles auf. (Bild: Carola Nadler)

Das Wiler Jugendorchester trat mit zwei Streicherensembles auf. (Bild: Carola Nadler)

FISCHINGEN. Der Veranstalter musste Besucher abweisen, so gross war der Ansturm auf den Auftritt des Wiler Jugendorchesters. Das erst kürzlich von einer Konzertreise aus der polnischen Partnerstadt Wils zurückgekehrte Orchester trat in der Fischinger Klosterbibliothek nicht in der sinfonischen Besetzung auf, was den örtlichen Rahmen gesprengt hätte. Vielmehr wurde das Konzert von zwei Streicherensembles bestritten, welche sich aus zwei Altersstufen zusammensetzten.

Potenzial schimmerte hervor

Antonio Vivaldis «Concerto grosso» für zwei Violinen, Cello und Streicher spielten die Jüngsten zu Beginn. Dirigent Martin Baur sass selbst im Cello-Register und gab Einsätze mit dem Cellobogen, wo diese vonnöten waren. Als Solisten traten Emily Doving und Priska Scheiwiller, Violine, und David Pfistner, Cello, auf, Nachwuchstalente, die ob ihres Alters schlicht staunen liessen. Mit kindlicher Ernsthaftigkeit und Konzentration gelang ihnen ein Vivaldi, der ein normales Schülerorchester-Niveau bei weitem überstieg und bereits ganz den Charakter des Venezianischen Komponisten spiegelte: Schwebend erst, als würde der Raum den Atem anhalten, dann energisch ausschreitend und voll ausbrechender Lebensenergie – so schüchtern diese Energie vielleicht auch noch wirken mochte, das Potenzial dahinter schimmerte umso deutlicher hervor.

Ein virtuoses Feuerwerk

Tabea Bühler und Aline Schmucki, Violine, waren die beiden Solistinnen des nachfolgenden d-Moll-Konzertes für zwei Violinen und Streicher von Johann Sebastian Bach. Zusammen mit den «Älteren» spielten die beiden Violinistinnen den Allegro-Satz, deutlich strenger und komplexer als der Vorgänger aus dem barocken Italien.

Mit dem Allegro aus Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nummer zwölf stand bereits ein erster Höhepunkt auf dem Programm, am Flügel spielte Nicolas Doving.

Sehr klar und bestimmt interpretierten die Jugendlichen Mozarts Tonsprache, direkt und unverschnörkelt der Ausdruck. Ein virtuoses Feuerwerk brach schliesslich am Flügel aus, als der Quartsextakkord verhallte, der jede Solokadenz einläutet.

Die klassische Leichtigkeit

Das berühmte Konzert für Flöte und Harfe von Mozart wurde anschliessend von Eveline Kleinburger, mit einer historischen Holzquerflöte, und Joanna Thalmann, Harfe, gespielt. Das Orchester war mit zwei Hörnern und je einer Oboe und Flöte ergänzt worden, was für einen neuen Facettenreichtum auf der Palette der Klangfarben sorgte. Die klassische Leichtigkeit tat dem kalten und verregneten Sonntagnachmittag ungemein wohl und wurde mit herzlichstem Applaus verdankt.

Zuletzt spielte das Jugendorchester Volkstümliches: Béla Bartóks Tänze aus Siebenbürgen. Erdverbunden, fast schon derb, schwungvoll und voller archaischer Energie vermochten diese Tänze wieder zu erden, wo man sich durch Mozart'sche Klänge in höhere Sphären bewegt hatte.