Als die Schweiz in einer Nacht 50 000 aufnahm

Rund 300 000 Schutzsuchenden gewährte die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht. Unter ihnen befanden sich rund 12 000 polnische Soldaten. Sie überquerten in der Nacht auf den 20. Juni 1940 im heutigen Kanton Jura die Schweizer Grenze. Es handelte sich dabei um die 2.

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Rund 300 000 Schutzsuchenden gewährte die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht. Unter ihnen befanden sich rund 12 000 polnische Soldaten. Sie überquerten in der Nacht auf den 20. Juni 1940 im heutigen Kanton Jura die Schweizer Grenze. Es handelte sich dabei um die 2. polnische Infanterieschützendivision, die nicht in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten wollte. Nachdem das Deutsche Reich und die Sowjetunion 1939 Polen angegriffen und unter sich aufgeteilt hatten, flüchteten viele polnische Soldaten nach Frankreich. An der Seite der Alliierten wollten sie Polen befreien. Als das Deutsche Reich 1940 Frankreich angriff, kämpften polnische Exil-Soldaten mit Franzosen Seite an Seite. Von der deutschen Übermacht an die Schweizer Grenze gedrängt, gab der polnische General Bronislaw Prugar-Ketling den Befehl zur Flucht in die Schweiz. Mit ihnen überquerten in der Nacht rund 28 000 französische Soldaten die Schweizer Grenze und baten ebenfalls um Gewahrsam. Die polnischen Flüchtlinge wurden in Internierungslagern in der ganzen Schweiz untergebracht. Sie leisteten Arbeitseinsätze in der Landwirtschaft und im Strassenbau. Nach Kriegsende 1945 kehrte die Mehrheit der Polen in ihre Heimat zurück. Bei ihrer Rückführung, zusammen mit weiteren, zivilen Flüchtlingen aus ganz Osteuropa, war Martha Wiesmann dabei. Gleichzeitig reisten Auslandschweizer von überall her aus dem zerstörten Europa in die Schweiz. (mre)