Allein stehend, allein gehend, gemeinsam lesend

Einmal im Monat trifft sich eine Lesegruppe mit wechselnden Mitgliedern in der Buchhandlung Marianne Sax in Frauenfeld. Am Dienstag ging es um Monique Schwitters «Eins im Andern», das gerade den Schweizer Buchpreis gewonnen hat.

Katharina Brenner
Drucken
Teilen
Susanna Petrin und Marianne Sax im Bücherladen Sax in Frauenfeld. (Bild: Katharina Brenner)

Susanna Petrin und Marianne Sax im Bücherladen Sax in Frauenfeld. (Bild: Katharina Brenner)

Einmal im Monat trifft sich eine Lesegruppe mit wechselnden Mitgliedern in der Buchhandlung Marianne Sax in Frauenfeld. Am Dienstag ging es um Monique Schwitters «Eins im Andern», das gerade den Schweizer Buchpreis gewonnen hat. Reihum teilten die Leserinnen und Leser ihre Lektüreerfahrungen, zuletzt eine Frau, die sich ganz intensiv mit dem Buch beschäftigt hat: die Journalistin Susanna Petrin, Mitglied der Buchpreis-Jury.

*

«Auf dem Klappentext steht, das Buch handle von der Liebe. Die Protagonistin erzählt von ihren Beziehungen, viele sind nur Verhältnisse. Die Liebe habe ich vergeblich gesucht.»

*

«Die Autorin hat beim Bachmann-Preis im Sommer das Kapitel <Nathanael> gelesen. Danach wollte ich das Buch unbedingt lesen. Dann fand ich es aber seltsam distanziert; die Männer sind nur Figuren. Die Autorin sagte in einem Interview, ihr Arbeitstitel sei <Das Buch des Gehens> gewesen. Dieser Titel hätte perfekt gepasst. <Ich habe gehen gelernt>, lautet ja auch der Schlusssatz.»

*

«Dabei hat die Erzählerin so viele gescheiterte Beziehungen gehabt. Sie sagt: <Ich habe gehen gelernt.> Und ich frage mich: Was hast du gelernt?»

*

«Ich fand das Buch nicht leicht. Das Inhaltsverzeichnis hat mir geholfen. Jedes Kapitel hat ein Datum und ist einem Mann gewidmet, der nach einem der Apostel benannt ist. Ein Kapitel handelt vom Bruder der Erzählerin. Das fand ich wunderschön. Wie viel Autobiographie wohl darin steckt?»

*

«Ich hatte das Buch auf Reisen dabei. Am Flughafen wollte ich es lesen, im Flieger, im Bett. Aber jedes Mal habe ich gedacht: <Nei, hüt nöd>. Es hat mich einfach nicht gepackt. Vergangenes Wochenende habe ich das Buch dann gelesen. Teilweise fand ich es zu konstruiert. Das einzig Beständige im Leben der Erzählerin war ihr Hund.»

*

«Am Anfang habe ich mich auch schwer getan. Aber ab der Mitte hat es mich gepackt, allein schon wegen der witzigen Wortspielereien: allein stehend, allein gehend, allein liegend.»

*

«Jo, dachte ich mir. Jetzt lese ich halt wieder in dem Buch. Erst hat es mich nicht überzeugt. Obwohl ich diese Szene am Anfang, als sie ihren Schuh verliert und barfuss durch den Schnee wandert, aus meinen Albträumen kenne. Ab dem Kapitel <Nathanel> war ich dann drin. Das war so stark. Eins steht fest: Die Frau kann wirklich schreiben.»

*

«Ich muss gestehen, ich habe das Buch nicht gelesen. Aber es klingt sehr spannend.»

*

«Eigentlich ist es nicht nur ein Buch über Beziehungen, sondern auch ein Familienbuch. Der Bruder kommt vor, die Eltern aber nicht. Susanna, weisst du, warum?»

*

«Nein, aber ich habe die Eltern nicht vermisst. Ich finde das Buch sehr leidenschaftlich. Die Protagonistin lässt sich auf Abenteuer ein, das macht sie sympathisch. Und das Buch ist relevant. Es erzählt von den grossen Themen, der Liebe und dem Tod. Deshalb hat es den Schweizer Buchpreis verdient.»