Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Alle paar Jahre unter Wasser

Im Unterschied zu den andern Schweizer Seen ist der Bodensee nicht reguliert. Natur- und Landschaftsschützer haben sich erfolgreich dagegen gewehrt. Den Schaden haben die Dörfer am Untersee, deren Häuser volllaufen.
Thomas Wunderlin
Das Restaurant Schiff in Berlingen mauert gegen das Hochwasser und mixt die passenden Drinks dazu. (Bild: Andrea Stalder)

Das Restaurant Schiff in Berlingen mauert gegen das Hochwasser und mixt die passenden Drinks dazu. (Bild: Andrea Stalder)

FRAUENFELD. An 45 Tagen blieb der Bodensee 1999 über der Hochwassermarke. Die Thurgauer Gebäudeversicherung zahlte 17 Millionen Franken für 845 Schadensfälle. Weitere 1,8 Millionen Franken wurden über eine Sammelaktion gedeckt. Der Nationalrat überwies im Oktober 1999 ein Postulat des Thurgauer CVP-Nationalrats Hansueli Raggenbass, der einen Bericht darüber verlangte, ob «eine Regulierung des Bodensees ein taugliches Mittel gegen extreme Hochwasser ist».

Raggenbass: Keine Motion

Der Bundesrat bestellte beim emeritierten ETH-Professor für Wasserbau, Daniel-Lucas Vischer, eine Studie. «Ein tolles Werk», erinnert sich Raggenbass, «das alle Aspekte abklärte.» Nach der Lektüre kam er zum Schluss, dass eine Bodenseeregulierung im Verhältnis zu den Schäden einen zu grossen Aufwand erforderte, auch in Bezug auf internationale Absprachen. Er sah davon ab, mit einer Motion nachzudoppeln. Es habe jetzt immerhin 17 Jahre bis zum nächsten Hochwasser gedauert, sagt Raggenbass. 1999 sei der Pegel ausserdem deutlich höher gestiegen als im bisherigen Verlauf dieses Jahres.

Auch der Ermatinger Gemeindepräsident Martin Stuber will sich nicht für eine Bodenseeregulierung einsetzen. «Das würde nicht viel nützen, das sieht man am Thunersee.» Die Anwohner des Untersees lebten seit jeher damit, dass es alle paar Jahre nass wird: «Sie nehmen es mit einer gewissen Gelassenheit hin.» Ein Hochwasser wie 1999 komme Gott sei dank nur alle zwanzig, dreissig Jahre vor, sagt Stuber und gibt zu Bedenken, dass bei einer Regulierung die Frage wäre, wie die Schiffe vom Untersee in den Rhein kämen.

Wissenschafter für Regulierung

Vischer, der Verfasser der Studie, hatte hingegen eine Regulierung des Bodensees empfohlen. «Ich kenne kein anderes Gebiet der Schweiz», sagt der 83jährige Wasserbauexperte, «das regelmässig unter Wasser steht.» Im langjährigen Vergleich gebe es am Untersee etwa alle fünf Jahre Hochwasser. «Doch eine Regulierung passt nicht in die politische Landschaft, auch heute nicht.» Die Bodenseeregion habe sich offenbar darauf eingeschworen, dass es keine Regulierung geben dürfe. «Nicht grad eine moderne Lösung», findet Vischer. «Es ist eine Frage des Komforts.» Den Preis zahlten die überschwemmten Gemeinden.

Anders als in der Westschweiz

«Die welschen Kantone hätten schon lange dafür gesorgt, dass etwas passiert», sagt Vischer provokativ. Er habe als Wasserbauer alle Schweizer Kantone kennengelernt und könne vergleichen.

Tatsächlich ist beispielsweise der Genfersee reguliert, weshalb es dort laut Vischer keine Hochwasser gibt. Ausser dem Walensee sind alle grösseren Schweizer Seen reguliert. Der Walensee ist ein Sonderfall, da er durch die Linthkorrektion zum Ausgleichsbecken geworden ist. Auch die Thunerseeregulierung funktioniert laut Vischer «im Grossen und Ganzen».

Ausbaggern, Wehr und Schleuse

Um am Bodensee extremes Hochwasser zu vermeiden, müsste mehr Wasser aus dem Untersee abfliessen können. Eine naheliegende Lösung wäre es, den Rhein bei Stein am Rhein auszubaggern. Davon wäre laut Vischer der ganze Bodensee betroffen: «Der Obersee würde genau gleich profitieren.»

Der Abfluss müsste durch ein Wehr reguliert werden, um allzu starkes Niedrigwasser zu vermeiden. «Bei Hochwasser macht man es auf, bei Niedrigwasser zu», sagt Vischer. Das Wehr müsste auf der Höhe der Hemishofer Brücke plaziert werden. Das Stadtbild von Stein am Rhein würde nicht tangiert. Dank einer Schleuse könnten Schiffe das Wehr passieren. Eine Alternative zu Wehr und Schleuse ist laut Vischer ein Entlastungsstollen durch den Seerücken in die Thur, die tiefer als der Untersee liegt.

Was die Kosten betrifft, so erklärt Vischer nur: «Andernorts hat man auch viel Geld in die Finger genommen.» So etwa für die Sanierung des Linthkanals mit den heute verlangten Renaturierungen, die auch bei einer Bodenseeregulierung dazu gehören würden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.