Albasini: «Ich bin kein Rassist»

Der Radprofi aus dem Thurgau ist bei der Tour de France in die Schlagzeilen geraten. Er soll den Franzosen Kévin Réza als «dreckigen Neger» beschimpft haben. In seinem Tagebuch von der Tour wehrt sich Albasini gegen den Vorwurf.

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Der Thurgauer Michael Albasini, der jetzt in Gais im Appenzellerland wohnt, schreibt für die Appenzeller Zeitung regelmässig, wie er die Tour de France erlebt. In seinem neuen Bericht geht Albasini vor allem auf den Rassismusvorwurf ein. Das sei für ihn sehr unangenehm gewesen, schreibt Albasini. «Ich soll den dunkelhäutigen Franzosen Kévin Réza aus der Europcar-Mannschaft unterwegs als <dreckigem Neger> beschimpft haben.» Das entspreche aber nicht den Tatsachen. Die fragliche Szene spielte sich auf der 16. Etappe der Tour de France in der Fluchtgruppe ab.

Die Fluchtgruppe

Nach mehreren Versuchen sei es gelungen durch einen enormen Kraftaufwand, eine Fluchtgruppe zu bilden, erklärt Albasini. Sie habe zu jenem Zeitpunkt aus fünf Fahrern bestanden. Darunter war auch Kévin Réza. «Wir wiesen nur rund 40 Sekunden Vorsprung auf. Er verweigerte in jener Phase konsequent die Führungsarbeit. Ich habe ihn in der Hetze des Gefechts und unter der enormen Belastung verbal mit den verschiedensten Ausdrücken ziemlich schroff zusammengestaucht.»

Solche Dispute gebe es unabhängig von der Hautfarbe unter den Fahrern immer wieder, wenn unterschiedliche Interessen aufeinander prallten. «Die einen arbeiten, und die andern fahren ohne grösseren Kraftaufwand im Windschatten mit.» In andern Sportarten sei dies nicht anders.

Direkt in die Kameras

Wörtlich schreibt Albasini: «Was ich in jenem Moment genau gesagt habe, vermag ich nicht zu wiederholen.» Rassistische Ausdrücke seien es aber nicht gewesen. Die Sache sei öffentlich geworden, weil Réza seinem sportlichen Leiter Jean-René Bernaudeau berichtet habe, wie er die Szene wahrgenommen habe. Bernaudeau habe seinen Fahrer im Ziel live und ohne Rücksprache mit Albasini dann vor den Fernsehkameras zitiert. «Von <dreckigem Neger> war die Rede. Damit waren die Meinungen gemacht.» Die Kommentare in den sozialen Netzwerken seien entsprechend ausgefallen.

«Ich habe mich für meine überrissene, emotionale Wortwahl entschuldigt, doch der Rassismusvorwurf blieb vorerst im Raum stehen. Wer durch eine solche, direkt in die Kamera gesprochene Aussage beschuldigt wird, sieht sich von allen Seiten in eine Ecke gedrängt, steht mit dem Rücken zur Wand. Das beschäftigt mich und gibt mir zu denken. Es ist kaum möglich, die eigene Sichtweise zu deponieren, sich zu verteidigen, den Tatbestand zu erklären», schreibt Albasini.

Die Sache aus dem Kopf bringen

Er habe sich mit Kévin Réza vor dem Start zur nächsten Etappe getroffen. Er habe ihm auf Englisch zu erklären versucht, dass er ihn zwar beschimpft habe. Es sich jedoch um keine rassistische Beschimpfung gehandelt habe. «Er hat mir zu verstehen gegeben, dass er kein Englisch verstehe, sondern Französisch spreche. Was er also zu hören geglaubt hatte, vermag ich nicht zu beeinflussen. Wir haben uns die Hand gegeben, die Sache ist zwischen uns erledigt.»

Teamintern habe es keine Diskussionen gegeben. «Ich bin kein Rassist.» Auch für Bernaudeau sei die Sache ausgeräumt. Albasini: «Ich hoffe, dass auch ich die Geschichte aus dem Kopf bringe, denn heute bietet sich die letzte Chance, bei der Tour ganz vorne dabei zu sein.» (red.)

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