Albaner dominieren Drogenhandel

FRAUENFELD. Organisierte Gruppierungen aus dem Balkan versorgen Süchtige im Thurgau mit Heroin und Kokain. Die Kantonspolizei hat in diesem Jahr bereits rund ein Dutzend Drogenhändler verhaftet. Fünf stammen aus Albanien. Deren Gruppen sind hierarchisch organisiert.

Inge Staub
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Sichergestellt von der Kantonspolizei: Eine Lieferung von Heroin und Kokain, wie sie über die Grenze in den Thurgau gebracht wurde. (Archivbild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Sichergestellt von der Kantonspolizei: Eine Lieferung von Heroin und Kokain, wie sie über die Grenze in den Thurgau gebracht wurde. (Archivbild: pd/Kantonspolizei Thurgau)

Ein 27jähriger Albaner wartet auf einem Parkplatz an der Zürcherstrasse in Frauenfeld auf seinen Kunden. Er hat 700 Gramm Kokain dabei. Doch die Übergabe der Drogen platzt: Beamte der Kantonspolizei Thurgau greifen ein und verhaften den Mann.

Zwei Wochen später: In der Nähe des Frauenfelder Bahnhofs kontrollieren Fahnder einen 19-Jährigen. In seinen Kleidern finden sie mehrere Portionen Heroin. Der Mann stammt ebenfalls aus Albanien. Beide Männer hatten sich als Touristen im Thurgau aufgehalten.

Heroindepots angelegt

Rund ein Dutzend Mal hat die Thurgauer Kantonspolizei in diesem Jahr einen mutmasslichen Drogenhändler dingfest gemacht. In fünf Fällen gingen ihnen Männer aus Albanien ins Netz. Ist der Drogenhandel im Thurgau in albanischer Hand?

«Den Handel mit Heroin und Kokain dominieren organisierte Gruppierungen von der Balkanhalbinsel», bestätigt Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei. Im Thurgau seien hauptsächlich Gruppierungen aus Serbien und Albanien aktiv, zu denen aber auch Mitglieder anderer Nationalitäten gehörten.

Kontrolliert gar die albanische Mafia den Drogenhandel im Thurgau? Der Begriff Mafia ist laut Kantonspolizei nicht korrekt. Es handele sich bei den Drogenhändlern, die im Thurgau aktiv seien, um Angehörige unterschiedlicher Gruppierungen mit organisierten Strukturen. Es sei kein kriminelles Netzwerk erkennbar. Der Begriff Mafia suggeriere, dass solche Gruppierungen ihre Tätigkeit durch Erpressung, Gewalt sowie politische und wirtschaftliche Einflussnahme festigen. Dies sei im Thurgau nicht erkennbar.

Gemäss Erkenntnissen des Bundesamtes für Polizei wurden in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ländern Südosteuropas grosse Heroindepots angelegt. Die Anlieferung wird hauptsächlich von kriminellen türkischen Gruppen übernommen. Die weitere Verteilung des Heroins in Richtung Zentral- und Westeuropa übernehmen meist albanische Gruppierungen. Sie schmuggeln über verschiedene Wege der Balkonroute Drogen in Mengen von bis zu hundert Kilogramm.

Als Transportmittel dienen häufig Verstecke in Personen- und Lastwagen sowie in Reisebussen. Gemäss dem Bundesamt für Polizei sind die albanischen Gruppen meist hierarchisch organisiert. Jedes Mitglied hat eine bestimmte Funktion. Die sogenannten Läufer schmuggeln die Drogen und bunkern sie im Zielland in Verstecken.

Die Lieferungen in die Schweiz erfolgen kiloweise über Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich auf verschiedenen Routen. Die Drogen werden in der Schweiz gelagert und aufgeteilt auf Dealer, die kantonsübergreifend tätig sind und die Konsumenten beliefern.

Die Kantonspolizei Thurgau arbeitet deshalb länder- und kantonsübergreifend mit anderen Polizeidienststellen zusammen. «Das grenz- und kantonsüberschreitende Vorgehen der Kriminellen erfordert ein ebenso vernetztes Vorgehen bei der Bekämpfung der Betäubungsmittelkriminalität», sagt Daniel Metzler. «Fahnder der Kantonspolizei Thurgau sind hier gefordert, die Ermittlungen sind entsprechend breit angelegt.»

Drogen in Romanshorn

Im Frühjahr dieses Jahres gelang es der Kantonspolizei Thurgau beispielsweise bei einer koordinierten Aktion unter Führung der Genfer Untersuchungsbehörden in einem Romanshorner Hotel, etwa vier Kilogramm Heroin und ein Kilo Kokain sicherzustellen.