AHOI: Eine Chance sind die Radtouristen

Auf der 80 Jahre alten MS Karlsruhe luden die vier grossen Bodensee-Schifffahrtsunternehmen im Konstanzer Hafen zur Medienkonferenz ein. 5000 verkaufte Saisonabos zeigen, dass die Schiffe auch ein öffentliches Verkehrsmittel sind.

Thomas Güntert
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Alexandro Rupp (Vorarlberg Lines), Norbert Reuter (Bodensee-Schiffsbetriebe), Andrea Ruf (Schweizerische Bodensee Schifffahrt) und Remo Rey (Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein) im Konstanzer Hafen. (Bild: Thomas Güntert)

Alexandro Rupp (Vorarlberg Lines), Norbert Reuter (Bodensee-Schiffsbetriebe), Andrea Ruf (Schweizerische Bodensee Schifffahrt) und Remo Rey (Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein) im Konstanzer Hafen. (Bild: Thomas Güntert)

Thomas Güntert

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Am kommenden Sonntag starten die Vereinigten Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein (VSU) mit 190 Fahrtagen in die neue Saison. Der VSU- Vorsitzende Norbert Reuter berichtete an einer Medienorientierung im Konstanzer Hafen, dass die Vierländerregion am Bodensee von der weltweiten Spannung profitiert und im letzten Jahr fast viereinhalb Prozent mehr ­Übernachtungen verzeichnen konnte.

Acht Tage keine Fahrt wegen Hochwasser

Die Vertreter der vier grossen Schifffahrtsgesellschaften am Bodensee konnten ebenfalls von einer erfreulichen Saison 2016 berichten. Insgesamt gingen rund 3,8 Millionen Fahrgäste an Bord der weissen Flotte, was eine Steigerung von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Saison begann wegen anhaltenden Regens und Hochwassers zwar durchwachsen, doch der schöne Altweibersommer sorgte dafür, dass alle Schifffahrtsunternehmen ein Fahrgastplus verzeichnen konnten.

Den grössten Zuwachs ­konnte die Schweizerische Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) mit 11,4 Prozent verbuchen, obwohl sie mit den vier Kursschiffen den Konstanzer Hafen an acht Tagen wegen Hochwasser nicht anfahren konnte. Im Jahr 2015 musste die Schifffahrt teilweise sogar eingestellt werden, damals allerdings wegen Niedrigwasser. Insgesamt kamen in der letzten Saison bei der URh über 363 000 Fahrgäste an Bord, allein im Monat September waren es rund 100 000 Passagiere, 75 Prozent mehr als im September des Vorjahres. Andrea Ruf von der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) berichtete, dass die MS Säntis für über zwei Millionen Franken zur luxuriösen «Jacht für einen Tag» umgebaut wird. Bei der URh sind jährlich 200 000 Franken für Unterhaltsarbeiten budgetiert. Im November erfolgt bei der MS Schaff- hausen ein Komplettumbau im Motorbereich für 1,4 Millionen Franken.

Mehrtätige Kreuzfahrten auf dem Bodensee

Das Angebot auf dem Bodensee reicht weit über die Kursschifffahrt hinaus. Remo Rey, Geschäftsführer der URh, berich­tete, dass die letzte Saison vom Ausbau der Gruppen Angebote und der verstärkten Kooperation mit Partnern wie Bodensee-West oder Thurgau- und Schaffhauserland Tourismus geprägt war. Neu wird es in dieser Saison vier Rundfahrten ab Stein am Rhein geben.

Einen wachsenden Markt sieht er im Radtourismus, wo es bereits Kooperationen mit Reiseveranstalter gibt. Rey bemerkte, dass es immer mehr individuelle Radtouristen gibt und die E-Bikes längere Rückfahrten in Anspruch nehmen. Die URh organisiert Erlebnisfahrten in Verbindung mit einer Nostalgie-Eisenbahn, und die SBS erweiterte ihr Angebot an Tanzschiffen. Die vier Gesellschaften bieten Sonderfahrten zu bestimmten Themen an, und es gibt mehrtägige Bodensee-Kreuzfahrten. Highlights werden die Fahrten zu den Bregenzer Festspielen, bei denen «Carmen» aufgeführt wird. Die meisten Schiffpassagiere auf dem Bodensee sind Touristen. Anwohner nutzen das Schiff aber durchaus auch als öffentliches Verkehrsmittel, was die 5000 verkauften Saisonkarten bestätigen, mit denen man während der Saison auf fast allen Kursschiffen freie Fahrt hat.