AGROTOURISMUS: Aug in Aug mit der Kuh

Feriengäste auf einem Bauernhof wollen heute nicht mehr mithelfen, sie wollen etwas erleben. Die Nachfrage nach solchen Angeboten steigt. Doch in der Schweiz steht das Gesetz den Landwirten im Weg.

Larissa Flammer
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Kinder lernen auf dem Bauernhof, woher die Milch kommt. (Bild: Corbis/VCG)

Kinder lernen auf dem Bauernhof, woher die Milch kommt. (Bild: Corbis/VCG)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Ferien auf dem Bauernhof werden immer beliebter. Auch im Thurgau ist dieser Trend zu beobachten. Das bestätigt Dominik Manser. Der Landwirt bietet auf seinem Hof in Winden bei Arbon selber Übernachtungen und Erlebnisse an, sitzt aber auch der Thurgauer Fachgruppe für Agrotourismus und Direktvermarktung vor. «Die Nachfrage nach Ferien auf dem Bauernhof war schon immer grösser als das Angebot. Das ist auch gut so, sonst wäre der Reiz nicht mehr derselbe.» Es seien auch nicht alle Landwirte dafür geeignet. «In unserer Brust schlagen zwei Herzen: eines für die Landwirtschaft und eines für die Gäste.» Manche Bauernfamilien würden lieber alleine oder mit ihren Mitarbeitern auf ihren Höfen arbeiten.

Rita Barth, Präsidentin des Vereins Ferien auf dem Bauernhof, ist der Meinung, dass Thurgauer Bauern von Geschäftszweig noch mehr profitieren könnten – «wenn wir in der Schweiz ein Gesetz hätten». In Deutschland und Österreich habe die Politik den Landwirten ermöglicht, leerstehenden Wohnraum zu Ferienwohnungen auszubauen. In der Schweiz sei meist nur das Herrichten von Zimmern möglich. «Der Gast sucht Qualität», sagt Rita Barth. Schlafen im Stroh sei eher eine Nische. Und der Bauer könne mit Ferienwohnungen wetterunabhängig und ohne die Verwendung von Land etwas dazuverdienen.

Tourismus im Thurgau bietet «Rundumangebot»

Auf dem Hof von Dominik Manser logierte vor kurzem für drei Wochen ein pensioniertes Ehepaar aus Fribourg. «Sie waren mit dem Wohnmobil auf unserem Hof und hatten volle Tagesprogramme», sagt er. Der Thurgau sei dafür optimal. Manser lobt die Zusammenarbeit mit Thurgau Tourismus; die Organisation biete den Bauernhof-Gästen ein «Rundumangebot». Auf dem Hof würden Feriengäste vor allem sehen wollen, wie Tiere gepflegt und Nahrungsmittel produziert werden. Auch dafür sei der Thurgau prädestiniert. «In Berggebieten ist die Landwirtschaft weniger vielfältig», sagt Manser. Für Kinder sei es ganz speziell, wenn sie mal eine Kuh anfassen können und nicht nur in einem Buch sehen. «Sie lernen dann, wie gross eine Kuh wirklich ist und wie sich ihr Fell anfühlt.» Manser lässt seine Gäste auch eine Kuh von Hand melken und die Milch degustieren. So würden sie den Zusammenhang herstellen zwischen einer Kuh, die Gras frisst, dem Melken und dem Geschmack der Milch. Auf seinem Hof empfängt der Landwirt Gäste aus aller Welt, vor allem aber solche aus der Schweiz und einige auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft im Thurgau.

Erwartungen haben sich geändert

Rita Barth bietet auf ihrem Hof in Altnau bereits seit 1984 Übernachtungen an. Das Angebot von Ferien auf dem Bauernhof habe sich in den vergangenen Jahren verändert – genau wie die Erwartungen. «In den 80er- und 90er-Jahren wollten die Gäste mithelfen. Heute wollen sie zusehen und etwas erleben.»

Die Präsidentin des Vereins betont, dass es Landwirte mit Gastgeberherz braucht. Bei vielen jungen Paaren würden beide arbeiten, dann fehle oft die Zeit. Wenn eine Bauernfamilie die Möglichkeiten voll ausnutze, ein guter Gastgeber sei und wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, dann habe sie mit Ferienwohnungen genug zu tun. «Es ist eine gute Sache», sagt Rita Barth. Auch Dominik Manser ist vom Agrotourismus überzeugt: «Das Angebot von Ferien auf dem Bauernhof leistet einen grossen Beitrag für ein gutes Image der Schweizer Landwirtschaft.»