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AGROSCOPE: Widerstand im Bauernland

Thurgauer Bauern lehnen sich gegen Bundesrat Johann Schneider-Ammann auf. Jetzt müsse die Ostschweiz zusammenstehen, damit der landwirtschaftliche Forschungsstandort Tänikon nicht geschlossen wird.
Silvan Meile, Sebastian Keller
Blick von oben auf die Agroscope-Forschungsanstalt Tänikon an der Bahnlinie Winterthur–Wil vor Guntershausen. (Bild: Olaf Kühne)

Blick von oben auf die Agroscope-Forschungsanstalt Tänikon an der Bahnlinie Winterthur–Wil vor Guntershausen. (Bild: Olaf Kühne)

Silvan Meile, Sebastian Keller

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Für die Thurgauer Bauern ist die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon eine heilige Kuh. «Es herrscht höchste Alarmstufe», sagt Landwirt und CVP-Kantonsrat Josef Gemperle aus Fischingen. Der Thurgau mit seiner starken Landwirtschaft werde nach den Plänen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann von der nationalen Agrarforschung abgehängt. «Er macht den Laden dicht, das macht mich hässig», sagt Gemperle. Der Agrarminister hat die betroffenen Agroscope-Mitarbeiter bereits mit einer Videobotschaft informiert. Sämtliche Forschungsstandorte von Agroscope sollen in Posieux FR zentralisiert werden.

Für Gemperle ist klar: «Jetzt muss sich der Thurgauer Regierungsrat gemeinsam mit den anderen Ostschweizer Kantonen und seinen Bundespolitikern ins Zeug legen und direkt beim Bundesrat intervenieren». Die Abbaupläne kämen zum völlig falschen Zeitpunkt. Gerade jetzt, wo in Tänikon wieder mit der von den Bauern geforderten Praxisnähe geforscht werde – Stichwort «Swiss Future Farm» – wolle der Bund seinen Betrieb einstellen und sich von seinen vertraglichen Vereinbarungen verabschieden, ärgert sich Gemperle.

Was passiert mit dem neuen Emissionsversuchsstall?

«Untätig bleiben dürfen wir nicht», sagt auch SVP-Kantonsrat Matthias Rutishauser. Der Landwirt aus Lengwil kündigt an, dass man in Landwirtschaftskreisen diskutieren werde, ob man einen Vorstoss im Grossen Rat einreichen will. Auch wenn ihm bewusst ist: «Landwirtschaftspolitik wird in Bern gemacht.» Einen Rückzug von Agroscope aus dem Thurgau fände er falsch. Vor allem, weil dann die regionale Forschung weniger beachtet würde. «Es gibt regionale Unterschiede im Anbau, die man bei der Forschung berücksichtigen muss», sagt Rutishauser. So seien die klimatischen Bedingungen in der Ostschweiz anders als im Freiburgischen. Ob es effizient sei, wenn die Forscher künftig einen grossen Teil ihrer Arbeitszeit im Auto verbringen, bezweifelt der SVP-Kantonsrat.

Der Landwirt fragt sich zudem, was mit dem Emissionsversuchsstall passiert. Diesen hat Agroscope Mitte 2015 zwischen Aadorf und Wängi feierlich eingeweiht. Kostenpunkt: fast zwei Millionen Franken. Dort wird beispielsweise erforscht, wie der Ausstoss von Ammoniak in der Viehhaltung reduziert werden kann. «Was passiert damit?», fragt Matthias Rutishauser.

Für Matthias Küng, Gemeindepräsident der Standortgemeinde Aadorf, ist es noch zu früh, die Pläne des Bundes «abschliessend zu beurteilen». Es sei primär die Aufgabe der Bundesparlamentarier, sich für den Thurgauer Standort einzusetzen. Küng verhehlt nicht: «Es geht um eine beachtliche Zahl von Arbeitsplätzen.» Dutzende Agroscope-Mitarbeiter würden in der Gemeinde Aadorf wohnen, weitere in der Umgebung. Die Forschungsanstalt sei für die Gemeinde, ja die Region von grosser Bedeutung.

Bund verweist auf Ausstiegsklausel

Im Jahr 2016 schlossen der Kanton Thurgau und Agroscope eine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit am Forschungsstandort Tänikon ab. Der Kanton bot Hand und übernahm den Versuchsbetrieb, damit auch in finanzieller Hinsicht Synergien entstehen, und hielt damit den Bund davon ab, die Forschungstätigkeiten aus Spargründen nach Posieux zu verlagern. Doch nun hat Schneider-Ammann den Wegzug doch angekündigt. Innerhalb der nächsten zehn Jahren soll an den rund 100 Arbeitsplätzen in Tänikon Lichterlöschen sein.

In Bundesbern verweist man auf eine Hintertür im Vertrag mit dem Thurgau. «Der Vertrag zwischen Agroscope und dem Kanton Thurgau hat eine Laufdauer bis Ende 2025», sagt Jürg Jordi, Sprecher des Bundesamtes für Landwirtschaft. Die Vereinbarung enthalte auch die Möglichkeit einer Kündigung.

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