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AGROSCOPE: «Bei mir sträuben sich alle Nackenhaare»

Bundesrat Johann Schneider-Ammanns Pläne über die Schliessung des landwirtschaftlichen Forschungsstandorts in Tänikon empfindet Regierungsrat Walter Schönholzer als chaotisch. Der Thurgau werde sich vehement dagegen wehren.
Silvan Meile
Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: Thi My Lien Nguyen (20. September 2017))

Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: Thi My Lien Nguyen (20. September 2017))

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Walter Schönholzer, Bauern fordern, die Ostschweiz müsse sich nun mit vereinten Kräften gegen den Abzug von Agroscope aus Tänikon zur Wehr setzen. Wird das nötig?
Falls sich der Bund tatsächlich über vertragliche Vereinbarungen hinwegsetzt, braucht es wirklich vereinte Kräfte dagegen. Die Thurgauer Regierung wird sich vehement gegen einen Abzug des Bundes aus Tänikon wehren.

Sie haben mit Agroscope vertragliche Vereinbarungen zur Rettung der hundert Arbeitsplätze in Tänikon getroffen. Nun spricht man beim Bundesamt für Landwirtschaft davon, dass diese Verträge auch wieder gekündet werden können. Fühlen Sie sich hintergangen?
Der Kanton übernahm den landwirtschftlichen Betrieb, entlastet dadurch den Bund. Dieser verpflichtet sich dafür, in Gebäude in Tänikon zu investieren und Forschungsarbeitsplätze zu erhalten. Natürlich kann man einen solchen Vertrag künden. Man kann auch gegen ihn verstossen. Aber das verstösst krass gegen Treu und Glauben. Für mich gilt die Eidgenossenschaft als verlässlicher Vertragspartner. Wir führten 2016 Verhandlungen, unterzeichneten 2017 Verträge. 2018 soll nun im Ernst bereits ein Vertragsbruch ins Auge gefasst werden? Da sträuben sich bei mir alle Nackenhaare.

Ständerätin Brigitte Häberli bezeichnet dieses Vorgehen des Bundes in einem aktuellen Vorstoss als «chaotisch». Teilen Sie diese Meinung?
Je mehr man hört, desto chaotischer mutet es an. Die rigorosen Zentralisierungspläne sind vielleicht tatsächlich ein Schnellschuss. Ich verstehe, dass Agroscope einen Sparauftrag zu erfüllen hat. Doch sollte zentralisiert werden, was zentralisiert werden kann. Das ist vor allem der administrative Bereich. Die Fachgebiete der Forschung müssen aber dort belassen werden, wo sie bereits heute sind, dort wo die geeigneten Nutzflächen, Tiere und Infrastrukturen für die entsprechenden Forschungsanwendungen bereits vorhandenen sind. Nun aber parallel in einen zentralen Forschungsstandort zu investieren und die vorhandenen Liegenschaften wie jene in Tänikon zu verlassen, hat meiner Ansicht nach nichts mit Sparen zu tun.

Der Kanton Freiburg investiert 65,8 Millionen Franken in seinen Agroscope-Standort Posieux. Der Bund wird dort Mieter. Wurde er um den Finger gewickelt?
Dieser Entscheid wurde bereits vor Jahren gefällt. Das war der Auslöser, dass der Thurgau beim Bund intervenierte und sich gegen den Verlust der hundert Arbeitsplätze in Tänikon wehrte. Es würde doch keinen Sinn machen, wenn im Kanton Fribourg Infrastruktur gebaut wird, die in Tänikon schon existiert. Das kann ja nicht sein. Da habe ich Mühe, das nachzuvollziehen. Ich gehe deshalb nach wie vor davon aus, dass sich der Bund an unsere Abmachungen hält und die spezifischen Forschungsbereiche in Tänikon belässt. Es können nicht einfach alle Forscher nach Posieux umsiedeln. Dies würde ein enormer Wissensverlust in den Regionen sowie viel familiäres Leid bedeuten.

Zur Stärkung des Standorts Tänikon hat der Thurgau das Projekt Swiss Future Farm aufgegleist, welches die Landwirtschaft der Zukunft abbildet. Wie würde sich bei einem Abzug der Agroscope dieses Projekt verändern?
Das kann ich nicht genau sagen. Bei der Swiss Future Farm sind private Vertreter aus der Wirtschaft die Partner des Kantons, nicht Agroscope. Agroscope ist aber auch für dieses Projekt wichtig, denn so werden wichtige Synergien genutzt und die Ergebnisse der ganzen Schweizer Landwirtschaft zugänglich gemacht. Wir haben Mittel Dritter akquiriert und das Projekt erst möglich gemacht. Dieses Projekt verleiht auch der Forschung viel Schub.

Drohen dem Thurgau finanzielle Risiken bei einem Wegzug von Agroscope?
Davon gehe ich nicht aus, denn wir gehen vom vertraglich zugesicherten Erhalt des Standortes aus. Unser Projekt Swiss Future Farm ginge aber wohl trotzdem in Tänikon weiter. Die Schweizer Landwirtschaft ist darauf angewiesen.

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