Ärzteduell um Waffenverbot

Die Thurgauer Ärztegesellschaft ist gleich wie der Dachverband für die Initiative «Schutz vor Waffengewalt». Dass die Stimmung unter den Thurgauer Ärzten geteilt ist, demonstrieren Hansjörg Lang und Ulrich Müller.

Martin Knoepfel
Drucken
Teilen
Nur wenige Sturmgewehre werden zur Aufbewahrung ins Zeughaus gebracht wie hier in Genf. (Bild: ky/Dominic Favre)

Nur wenige Sturmgewehre werden zur Aufbewahrung ins Zeughaus gebracht wie hier in Genf. (Bild: ky/Dominic Favre)

FRAUENFELD. Ärzte gegen Ärzte wegen der Volksinitiative «Schutz vor Waffengewalt». Das gilt nicht nur auf nationaler Ebene (siehe Kasten). Quasi im Thurgauer Fernduell vertrat Landarzt und alt Kantonsrat Hansjörg Lang (Mammern) am Mittwoch vor der FDP Thurgau mit Erfolg die Nein-Parole. Kantonsrat Ulrich Müller (Weinfelden) ficht am Dienstag vor der CVP für ein Ja.

Der Vorstand der Ärztegesellschaft Thurgau hat an der letzten Sitzung wegen dringenderer Geschäfte keine Abstimmungsparole gefasst. Eine solche dürfte auch nicht mehr erfolgen. Das sagt Präsident Alexander von Weymarn.

Die kantonale Ärztegesellschaft stehe hinter der Parole der FMH, betont von Weymarn. Er ist überzeugt, dass der Waffenbesitz den Suizid vereinfacht. Anhänger und Gegner der Initiative wollten die Zahl der Suizide verringern. Meinungsunterschiede gebe es über den Weg dazu.

«Kollegen, die auf der anderen Seite stehen, sind keine schlechten Kollegen.»

Lang: Kritik am Berufsverband

Verbal schiesst Lang scharf gegen die FMH. Er fordert, der Berufsverband solle auf Abstimmungsparolen verzichten, wenn es nicht um berufliche Fragen gehe. «Die FMH müsste eigentlich die Mitglieder befragen. Das geschah nicht. Ich fühle mich verschaukelt», kritisiert Lang

Wer Suizidgefährdete kenne, wisse, wie schwierig es sei, sie vom Freitod abzubringen. Ohne Schusswaffe würden Suizidgefährdete andere Methoden wählen. Lang erinnert daran, dass früher viele im Auto den Tod suchten. Lang ist als Schütze und Jäger von der Initiative betroffen. Die Mehrheit der Kollegen sei gegen die Initiative, ist er sicher. Sie exponierten sich nur nicht.

Müller: Weniger Suizide

Müller ist ebenfalls davon überzeugt, die Mehrheit der Thurgauer Ärzte hinter sich zu haben. Er verspricht sich weniger Suizide und weniger Angriffe mit Schusswaffen, wenn diese nicht mehr so leicht verfügbar sind. Gewissen Kollegen sei der Preis dafür zu hoch. Das müsse man akzeptieren. Müller betont, dass er nicht gegen die Armee sei. Für die Schützenvereine und fürs «Obligatorische» gebe es Lösungen, wenn die Initiative angenommen werde. Müller hat die Initiative nur mit wenigen Thurgauer Kollegen diskutiert.

Er erwartet als Folge der Abstimmung weder unter der Thurgauer Ärzteschaft noch in der CVP ein Zerwürfnis.

Bild: martin knoepfel

Bild: martin knoepfel