Ärzte wollen höhere Abgeltung

Die Tarife für die Arbeit der Hausärzte sind im Thurgau tiefer als in anderen Kantonen. Das verschärfe den Ärztemangel zusätzlich, heisst es in Hausarztkreisen. Dem Kanton sind aber bisher die Hände gebunden.

Christof Widmer
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Der Verkauf von Medikamenten bringt keine grosse Marge mehr für die Hausärzte. Sie wollen darum eine höhere Abgeltung für ihre Leistungen. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Der Verkauf von Medikamenten bringt keine grosse Marge mehr für die Hausärzte. Sie wollen darum eine höhere Abgeltung für ihre Leistungen. (Bild: ky/Gaetan Bally)

FRAUENFELD. Hausärzte im Thurgau verdienen weniger als ihre Kollegen im Kanton Zürich. Grund dafür sind die tieferen Taxpunktwerte, die festlegen, wie viel ein Arzt für eine bestimmte Leistung bei der Krankenkasse verrechnen darf (Kasten). Aus Sicht der Thurgauer Hausärzte macht das den Thurgau unattraktiv für angehende Hausärzte, die in anderen Kantonen bis zu 15 Prozent mehr verdienen können. Das verschärfe den Hausärztemangel zusätzlich, warnen die Ärzte.

«Das ist ein grosses Problem», sagt der Eschenzer Hausarzt Michael Lang, Vizepräsident des Thurgauer Vereins der Grundversorger und Leiter des Fachgebiets Hausarztmedizin der Spital Thurgau AG. Gerade dem Thurgau als Randkanton würden höhere Taxpunktwerte helfen, neue Hausärzte zu finden.

Medikamente: Marge gesunken

Die tieferen Taxpunktwerte sind für jene Kantone eingeführt worden, in denen die Hausärzte Medikamente selber verkaufen können. Der Gewinn aus dem Verkauf ist als Teil des Ärztelohns gedacht. Allerdings seien die Margen in den letzten Jahren rapide gesunken, sagt Lang. Ausserdem erlaube der Kanton Zürich seinen Ärzten neuerdings den Medikamentenverkauf – die Taxpunktwerte seien aber unverändert hoch geblieben.

Die Krankenkassen haben kein Verständnis für die Haltung der Thurgauer Hausärzte. «Mit den Taxpunktwerten kann man ein gutes Einkommen erzielen», sagt Gebhard Heuberger, Leiter Kommunikation der Tarifsuisse AG. Sie vertritt einen Teil der Krankenkassen in den Tarifverhandlungen mit der Ärzteschaft. Für den Thurgau gelte der ostschweizerische Tarifvertrag, der unter anderem auch St. Gallen und beide Appenzell umfasst. Das letzte Mal ist hier der Taxpunktwert 2014 um einen Rappen auf 83 Rappen erhöht worden. «Zurzeit sind keine neuen Verhandlungen geplant. Die Tarife sind auch nicht in Frage gestellt worden», sagt Heuberger.

Er räumt aber ein, dass zwischen den Kantonen Thurgau und Zürich tatsächlich spürbare Tarifunterschiede bestehen. Die Tarifsuisse AG strebt denn auch für Zürich Neuverhandlungen an – mit dem Ziel, dort den Taxpunktwert zu senken.

Kanton nur im Streitfall am Zug

Dem Kanton Thurgau sind die Hände gebunden. «Der Kanton kann keinen Einfluss nehmen», sagt Mario Brunetti, Generalsekretär des Departements für Finanzen und Soziales. Die kantonalen Behörden sind nicht in die Verhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen involviert. Ins Spiel kommt der Regierungsrat erst, wenn sich die Tarifpartner in den Verhandlungen nicht einig werden können. Dann setzt der Regierungsrat auf Antrag einer Tarifpartei den Taxpunktwert fest.

Dabei kann der Regierungsrat aber nicht frei entscheiden. «Er muss sich an die Vorgaben des Krankenversicherungsgesetzes halten», sagt Brunetti. Qualität und Wirtschaftlichkeit seien die entscheidenden Kriterien. Vor einer Tariffestsetzung müsste der Regierungsrat eine Stellungnahme des Preisüberwachers einholen. Und ein Entscheid wäre vor Bundesverwaltungsgericht anfechtbar. Im Bereich der Hausarztmedizin hat der Regierungsrat bisher noch nie Tarife festsetzen müssen – im Gegensatz etwa derzeit zu den Physiotherapeuten, die mit einem Teil der Kassen nicht einig sind.

Die Thurgauer Ärzte wollten bisher nicht aufs Äusserste gehen und Verhandlungen mit den Krankenkassen scheitern lassen, um beim Regierungsrat höhere Tarife beantragen zu können. Der Müllheimer Arzt Alex Steinacher, bei der Ärztegesellschaft zuständig für die Tarife, hält das im Moment für aussichtslos. Denn bekommen die Ärzte höhere Tarife, bedeutet das automatisch höhere Krankenkassenprämien. «Eine solche Massnahme ist für keinen Politiker attraktiv», sagt Steinacher. Er hält aber eine nationale Angleichung der Tarife für nötig. «Es gibt keinen Grund, dass ein EKG in Genf viel wertvoller ist als im Thurgau.»