Ärzte warnen vor schlechterer ­Versorgung

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Arzttarif Die Ärztegesellschaft Thurgau wehrt sich gegen den zweiten bundesrätlichen Tarifeingriff in den ambulanten Arzttarif Tarmed. Dieser entspricht gemäss Medienmitteilung in vielen Bereichen nicht mehr den heutigen Gegebenheiten und alle Beteiligten sind sich einig, dass er revidiert werden muss. Per 1. Januar 2018 will der Bundesrat den ambulanten Arzttarif nun von sich aus verändern. «Der aktuelle Vorschlag hätte allerdings für die Thurgauer Bevölkerung verheerende Auswirkungen», schreiben die Thurgauer Ärzte in ihrer Mitteilung. Der Kanton habe wegen des tiefen Taxpunktwerts und den damit unterdurchschnitt­lichen Einkommen der Ärzte ein zunehmendes Problem, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. «Der neue Tarif hätte für praktisch alle Ärztinnen, Ärzte, aber auch für die Spitäler weitere, empfindliche Lohneinbussen zur Folge.» Damit werde sich der Hausärzte- und der Spezialistenmangel verschärfen.

Mit dem beabsichtigten Tarifeingriff würfen Psychiater, Kinderärzte, Kinderpsychiater und Kinderchirurgen weniger verdienen. Damit werde das Ziel der Revision komplett verfehlt: nämlich, dass Ärzte am untersten Einkommensspektrum finanziell bessergestellt werden.

Geplante Einsparungen sind «eine Illusion»

Der Bundesrat möchte gemäss Medienmitteilung der Ärzte­gesellschaft Thurgau die Dauer der Konsultation und deren Dokumentation auf 20 Minuten beschränken sowie die Arbeiten in Abwesenheit des Patienten auf 30 Minuten pro Quartal limitieren. «Das ist bei vielen älteren, chronischen oder psychischen Kranken schlicht eine Illusion», wie die Thurgauer Ärzte sagen.

Weiter wolle der Bundesrat 700 Millionen Franken einsparen. Die Ärztegesellschaft schreibt: «Weil viele operative Eingriffe damit ambulant nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden können, müssten sie wieder stationär am Spital durchgeführt werden.»

In der Mitteilung heisst es ­abschliessend: «Die Ärztegesellschaft Thurgau kann das Anliegen des Bundesrats verstehen, den Verhandlungsprozess zwischen Leistungserbringern und Krankenkassen zu beschleunigen.» Der beabsichtigte Weg habe aber für Patienten im Thurgau ver­heerende Folgen. Die Gesellschaft hofft, dass der Tarifeingriff nochmals überarbeitet wird. (red)