Ärzte sind kompromissbereit

Die Thurgauer Ärzte verdienen am Verkauf von Medikamenten – und verteidigten die Selbstdispensation. Jetzt zeigen sie sich offen für neue Rezepte: Eine Entschädigung für ihre Beratungsleistung sei eine mögliche Alternative.

Marc Haltiner
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Medikamente: Ärzte sollen nicht mehr direkt daran verdienen. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Medikamente: Ärzte sollen nicht mehr direkt daran verdienen. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Frauenfeld. Nicht nur mit der Senkung der Labortarife schreckte Bundesrat Pascal Couchepin die Ärzte auf. Als sein Vorschlag in die Vernehmlassung geschickt wurde, die Selbstdispensation der Ärzte aufzuheben, war der Zorn bei den Thurgauer Hausärzten gross. Die Medikamentenabgabe durch Ärzte ist im Thurgau seit Jahrzehnten Praxis und im kantonalen Gesundheitsgesetz verankert.

Die Abschaffung der Medikamentenabgabe schade den Patienten im ländlichen Kanton mit nur wenig Apotheken, sagen die Ärzte. Zudem sei der Medikamentenverkauf ein wichtiger Bestandteil des ärztlichen Einkommens, aber gemäss Studien günstiger als in Kantonen ohne Selbstdispensation.

Unterstützung erhielten die Thurgauer Ärzte sogar vom Regierungsrat, der den Bundesrat kritisierte. Doch jetzt kommt Bewegung in die bislang starren Fronten.

Wie der «Tages-Anzeiger» am Samstag enthüllte, verhandelt die Schweizerische Ärztegesellschaft FMH mit dem Kassenverband Santésuisse über einen Kompromiss. Danach könnten die Ärzte in allen Kantonen mit Selbstdispensation – also praktisch in der ganzen Deutschschweiz – ihren Patientinnen und Patienten weiter Medikamente abgeben.

Entschädigung nur pauschal

Allerdings würden sie nicht mehr mit einer Marge vom Verkauf der einzelnen Medikamente profitieren, sondern würden pro Tag und Patient für die Beratungsleistung bei der Medikamentenabgabe pauschal entschädigt. Die Medikamente würden den Krankenkassen direkt von Grossisten und Apotheken in Rechnung gestellt.

Die Thurgauer Hausärzte zeigen sich für den Vorschlag offen, auch wenn nicht alle Details feststehen (siehe Box). «Wichtig ist, dass die Ärzte nicht massiv an Einkommen verlieren», unterstreicht Alex Steinacher, der Präsident des Ostschweizer Grundversorgervereins. Der jetzt diskutierte Kompromiss sei aber interessant. Der Beratungs- und Lageraufwand könne verrechnet werden, und der Service für die Patienten bleibe erhalten. «Das ist eine mögliche Lösung.»

Keine falschen Anreize

Steinacher ortet noch einen anderen Vorteil einer solchen Lösung: «Damit wäre der Vorwurf der falschen Anreize beseitigt.» Die Hausärzte würden kritisiert, dass sie zu viele Medikamente verschreiben würden, obwohl viele nur noch die günstigeren Generika abgeben würden. Ohne Marge werde gar kein Anreiz mehr bestehen, zu viele Medikamente zu verschreiben.

Grundsätzlich anderer Meinung sind die Apotheker: Die Thurgauer Apotheker betonten mehrfach, dass Ärzte keine Medikamente abgeben sollten, weil sie diese verschreiben. Es sei sinnvoll, dass Apotheken die Rezepte überprüfen könnten. In den Westschweizer Kantonen wird dies so gehandhabt.