Ärger über Lohnpolitik des Spitals

Die Spital Thurgau AG erhöht die Löhne seiner Mitarbeiter im kommenden Jahr nur um durchschnittlich ein halbes Prozent. Diese Lohnpolitik bringt bei der Dachorganisation der kantonalen Personalverbände das Fass zum überlaufen.

Silvan Meile
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Anne-Mette Baumgartner, Geschäftsführerin Personalthurgau, Präsidentin Barbara Kern und Edith Wohlfender von der Ostschweizer Sektion des Berufsverbands der Pflegefachpersonen kritisieren die Lohnrunde 2015 der Spital Thurgau AG. (Bild: Donato Caspari)

Anne-Mette Baumgartner, Geschäftsführerin Personalthurgau, Präsidentin Barbara Kern und Edith Wohlfender von der Ostschweizer Sektion des Berufsverbands der Pflegefachpersonen kritisieren die Lohnrunde 2015 der Spital Thurgau AG. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Barbara Kern ärgert sich. «Die Spital Thurgau AG spart auf dem Buckel des Personals», sagt die Präsidentin von Personalthurgau, der Dachorganisation kantonaler Personalverbände. Stein des Anstosses ist die diesjährige Lohnrunde der Spital Thurgau AG. Ein enger Spielraum von 0,5 Prozent individueller Erhöhung und 0,1 Prozent Leistungsprämien lässt diese für die Lohnanpassungen gegen oben zu. Davon sind die rund 3000 Mitarbeiter der Spital Thurgau AG betroffen. «Das ist bedenklich und nicht akzeptabel», sagt Kern.

Die Personalverbände forderten zusammen mit der Personalkommission der Spital Thurgau AG eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent. Ein Prozent für individuelle, ein halbes Prozent für generelle Lohnerhöhungen. «Als Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern», sagt Kern. Doch diese Forderung blieb unerhört. Die Verbandspräsidentin ärgert sich über die «marktwirtschaftlichen Interessen», die im Gesundheitsbereich Einzug hielten. «Und das vor dem Hintergrund des wiederum positiven Geschäftsabschlusses der Spital AG» sagt Kern, die auch als kantonale SP-Präsidentin und Kantonsrätin amtet.

Fehlende Wertschätzung

«Mit 0,5 Prozent können keine wirklich spürbaren Lohnerhöhungen gewährt werden», sagt Anne-Mette Baumgartner, Geschäftsstellenleiterin von Personalthurgau. Der Dachverband führt jährlich Lohngespräche, hat aber kein Mitentscheidungsrecht. Baumgartner ist «sehr besorgt», dass dies in diesem Jahr erfolglos passierte und kein gemeinsamen Nenner gefunden werden konnte. Im vergangenen Jahr entsprachen die individuellen 0,9 Prozent und die generellen 0,4 Prozent Lohnerhöhung und die grosszügigeren Nachtzeitzuschläge deutlich mehr ihren Vorstellungen. «Für die kommenden Jahre erwarten wir ganz klar, dass die Spital Thurgau AG wieder mehr in die Löhne investiert, damit die Differenz zu anderen Spitälern nicht noch grösser wird», sagt die Geschäftsstellenleiterin.

In den umliegenden Kantonen seien die Löhne insbesondere im Pflegebereich deutlich höher, sagt Edith Wohlfender vom Berufsverband der Pflegefachpersonen der Ostschweiz. Die Spital Thurgau AG weise vielleicht deshalb viele offene Stellen und eine hohe Fluktuation bei den Ärzten auf, sind sich die drei Frauen einig. Der Fachkräftemangel spitze sich mit dieser Personalpolitik noch mehr zu. Nur 0,5 Prozent Lohnerhöhung sei eben genau in dieser Marktsituation ein schlechtes Signal und zeuge von fehlender Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern.

«Fürs Bauen hat man auch Geld»

Die drei Frauen kennen noch mehr Gründe, weshalb die Lohnerhöhung für die Mitarbeiter der Spital Thurgau AG hätte höher ausfallen müssen. Etwa die Tatsache, dass der Kanton für sein Personal trotz Sparprogramms eine Lohnerhöhung von einem Prozent vorsieht. Die Personalvertreterinnen hätten auch Verständnis für die verschiedenen Baustellen. Es sei richtig, dass die Spital Thurgau AG baulich in die Zukunft investiere. Allerdings könne es für die Mitarbeitenden so aussehen, als hätte man zwar fürs Bauen Geld, nicht aber für eine spürbare Lohnerhöhung. Das führe zu einer schlechten Stimmung

Ausserdem bringe die Baustelle auch eine Mehrbelastung für die Angestellten mit sich. Lärm und Staub würden die Arbeitsbedingungen erschweren.

Und es seien eben auch die Mitarbeiter, die auf diesbezügliche Reklamationen der Patienten reagieren müssten. Nur schon diese Aspekte hätten eine Wertschätzung durch eine grosszügigere Lohnerhöhung verdient, sagt Kern und macht ihrem Ärger weiter Luft.

Keine Zeit für Stellungnahme

Die Spital Thurgau AG war gestern nicht für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen und Forderungen der Personalverbände und der Personalkommission erreichbar. CEO Marc Kohler teilte schriftlich mit, dass er die von der Thurgauer Zeitung an ihn gerichteten Fragen erst heute beantworten könne.