Ära im «Sonnenhof» geht zu Ende

PFYN. Im Restaurant Sonnenhof in Pfyn steht ein Wirtewechsel bevor. Annelies und Willi Schwarz ziehen sich Ende November nach 28 Jahren aus dem Gastgewerbe zurück und verpachten ihre Liegenschaft.

Evi Biedermann
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Unter Wirtin Annelies Schwarz ist der «Sonnenhof» in Pfyn zur Institution geworden. (Bild: Evi Biedermann)

Unter Wirtin Annelies Schwarz ist der «Sonnenhof» in Pfyn zur Institution geworden. (Bild: Evi Biedermann)

Eine lange Zeit, nämlich während 28 Jahren haben Annelies und Willi Schwarz im «Sonnenhof» in Pfyn gewirtet. Und so war es auch geplant gewesen, als sie das Restaurant 1987 übernahmen. «Ich wollte immer ein eigenes Restaurant haben», sagt Annelies Schwarz, die ihre berufliche Ausbildung im Verkauf absolvierte. Als es dann klappte mit dem «Sonnenhof», machte sie die Wirteprüfung, und es war klar, dass sie und ihr Mann Willi den «Sonnenhof» so lange führen würden, «bis mir nüme möged». Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, sagt die bald 60-Jährige. «Die besten Zeiten sind vorbei.» Das gelte sowohl für die Wirtschaftlichkeit als auch für Vitalität und Gesundheit. Ihr Mann Willi Schwarz, der Koch im Haus, erlitt vor zwei Jahren einen Streifschlag, von dem er sich so weit erholte, dass der heute 63-Jährige wieder im Restaurant mithilft. «Das Kochen jedoch ist ihm zu viel», erklärt die Wirtin.

Neueröffnung im Januar

Da keine eigenen Nachfolger vorhanden sind – der Sohn ist zwar Restaurationsfachmann, einen Betrieb möchte er jedoch nicht führen –, suchten Annelies und Willi Schwarz einen Pächter. Fündig wurden sie bei Nikola und Doris Velimirovic aus Kreuzlingen. Geplant ist, dass das Restaurant und die Räume im oberen Stock nach der Schliessung der Restaurants Ende November sanft renoviert werden und der «Sonnenhof» Anfang Januar neu eröffnet wird. Ob es am letzten Tag, am 23. November, eine Austrinkete gibt, weiss Annelies Schwarz noch nicht. Natürlich werde man etwas organisieren und sich von den Gästen verabschieden, schickt die Wirtin entschieden voraus. «Wir verschwinden nicht einfach so.»

Und überhaupt, fügt sie lachend an, möchte sie nach einer kleinen Ruhezeit wieder auftauchen im Gastgewerbe. Nicht als Wirtin, sondern als Mitarbeiterin im Service. «Ich mag Menschen, die Begegnung mit ihnen und die Beiz», erklärt Annelis Schwarz, die auf einem Bauernhof in Affeltrangen aufgewachsen ist, zu dem auch ein Restaurant gehörte. Sich noch irgendwo stunden- oder tageweise nützlich machen, mit den Gästen Kontakt haben, aber nicht mehr die volle Verantwortung tragen, das schwebt ihr vor. Im noch eigenen Betrieb würde sie nur mithelfen, wenn es brennt, sagt sie. «Die neuen Pächter sollen sich voll entfalten können.»

Mit Herzblut wirten

Trotz den schwierigen Zeiten, die das Gastgewerbe seit ein paar Jahren erlebt und die der «Sonnenhof» auch spürt, hält es Annelies Schwarz für möglich, in der Branche erfolgreich zu sein. Der beste Wirt sei der, der mit Herzblut wirte, ist sie überzeugt. «Die Gäste müssen spüren, dass er seinen Job gerne macht.» Dann fühlten sie sich willkommen und kehrten wieder ein. «Man geht nicht nur wegen dem guten Essen in ein Restaurant, sondern auch wegen der Geselligkeit», ist Annelies Schwarz überzeugt. Die Gäste schätzten es, wenn der Wirt oder die Wirtin sich zeigten, besonders im Dorf sei das so. Das gibt zuweilen sehr lange Präsenzzeiten, denn die ersten kommen bereits um 8 Uhr und die letzten, häufig die Vereine, erst nach 22 Uhr. Rechnet man das Kochen, die Büroarbeit und die Personalführung hinzu, ist das viel Arbeit. «Diese Kraft habe ich nicht mehr», sagt Annelies Schwarz – nach 28 Jahren im «Sonnenhof».