Ältere brauchen mehr Zeit beim Lernen

Das Zentrum 55plus ist ein Begegnungsort in Frauenfeld für ältere Menschen. Seit anderthalb Jahren wird es von Rosmarie Kistler geführt. Hinter 55plus steht ein Verein mit 450 Mitgliedern.

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«55plus kriegt keine Subventionen»: Rosmarie Kistler, Zentrumsleiterin. (Bild: Evi Biedermann)

«55plus kriegt keine Subventionen»: Rosmarie Kistler, Zentrumsleiterin. (Bild: Evi Biedermann)

Frauenfeld. Nicht mehr jung, aber zu jung, um sich alt zu fühlen: Das war vor 13 Jahren die Gründungsidee für das Zentrum 55plus, wo sich Menschen ab 55 weiterbilden, treffen und Neues erleben können. Den Initianten Peter Hofer und Susanna Leu Hofer war damals aber wichtig, dass die Teilnahme am Programm an keine Altersgrenzen gebunden ist. Das Angebot hingegen ist auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet. So steht es noch heute im Kursprogramm, das zweimal jährlich erscheint. Geleitet wird das Zentrum 55plus seit anderthalb Jahren von Rosmarie Kistler.

Frau Kistler, was sind die Bedürfnisse älterer Menschen?

Rosmarie Kistler: Sie sind ähnlich und ebenso vielfältig wie bei den jüngeren. Auch ältere Menschen möchten Sprachen lernen, malen, wandern oder zusammen etwas unternehmen. Aber sie möchten das in ihrem eigenen Tempo tun. Im Mittelpunkt steht nicht mehr unbedingt das Ziel, sondern der Weg.

Wie kann ein solcher Weg aussehen?

Kistler: Ältere Menschen brauchen mehr Zeit, um etwas zu verarbeiten. Das berücksichtigen unsere Kursleiter und Kursleiterinnen. Auch ich nehme mir Zeit für unsere Kunden. Der Weg ins Kurslokal führt an meinem Arbeitsplatz vorbei. So bin ich sichtbar als Zentrumsleiterin.

Sie führen das Zentrum nun seit anderthalb Jahren. Was sind Ihre Erfahrungen?

Kistler: Viel Freude, aber auch viel Arbeit. Ich dachte, ich wüsste, was auf mich zukommen würde, denn ich hatte das Glück, einen sauber organisierten und gut funktionierenden Betrieb zu übernehmen. In Wirklichkeit wusste ich aber wenig.

Erklären Sie das näher, bitte.

Kistler: In diesem Frühjahr hatten wir einen erheblichen Einbruch bei den Kursanmeldungen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Sommermonate waren somit aus finanzieller Sicht eine regelrechte Zitterpartie. Doch jetzt sind die Leute zurück. Das Winterprogramm ist gut angelaufen.

Wie finanziert sich das Zentrum 55plus?

Kistler: Über die rund 450 Mitgliederbeiträge, die Kursgelder und Gönner. Subventionen erhalten wir von nirgendwoher.

Das Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten ist gross. Wo ist das Zentrum speziell stark?

Kistler: Viele Kurse führen wir bereits ab drei Teilnehmern durch. Bei den Sprachkursen gewährleistet das die Fortsetzung, oft über Jahre hinweg. Denn fast immer kommen im nächsten Halbjahr wieder neue Teilnehmer hinzu.

Und nun andersrum: Sehen Sie auch Schwächen?

Kistler: Was ich festgestellt habe, ist, dass mir die Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit fehlt. Dieser Bereich wird nun seit kurzem von meiner neuen Teilzeitmitarbeiterin forciert. Die Möglichkeiten sind jedoch beschränkt, da wir nur ein sehr bescheidenes Werbebudget haben.

Interview: Evi Biedermann

Das Kursprogramm ist erhältlich: Oberstadtstrasse. 6 Frauenfeld.