Achtung, Mammutbaum fliegt!

ESCHENZ. Seit Mittwochmorgen ist Eschenz um einen Baum ärmer – und um was für einen. Der zuletzt arg zerzauste Mammutbaum vor dem Primarschulhaus war 90 Jahre alt und ragte ganze 35 Meter in die Höhe. Ein Helikopter half bei der Fällaktion.

Ernst Hunkeler
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Schulhausabwart Felix Hunkeler und Gartenbauer David Flum begutachten den Querschnitt des Mammutbaums. (Bilder: Ernst Hunkeler)

Schulhausabwart Felix Hunkeler und Gartenbauer David Flum begutachten den Querschnitt des Mammutbaums. (Bilder: Ernst Hunkeler)

«Sequoiadendron giganteum» heisst auf Deutsch Mammutbaum. Ein solcher stand bis gestern morgen vor dem Eingang des Eschenzer Primarschulhauses. Generationen von Schülern sind fast täglich an ihm vorübergegangen – bis er nun eben der Motorsäge zum Opfer fiel. Doch man hatte sich diesen Abschied nicht leicht gemacht. Erst nach diversen Expertisen beschloss man die Verabschiedung. Immerhin wurde der 90jährige Gigant nicht einfach gefällt, sondern er entschwebte stückweise gen Himmel.

Der Heli fliegt die Baumkrone hinter das Schulhaus.

Der Heli fliegt die Baumkrone hinter das Schulhaus.

Ein Baum in neun Teilen

Dies kam so: Revierförster Urs Fuchs vom Forsthof Kalchrain führte Regie, ein kletternder Forstarbeiter zersägte den noch stehenden 35-Meter-Baum vertikal in neun Abschnitte. Jeder davon wurde an das Seil eines Helikopters gehängt, von diesem hinters Schulhaus geflogen und anschliessend auf dem Pausenplatz entastet. Der Stamm findet als Möbelholz Verwendung, eine Scheibe bleibt als Erinnerung im Schulhaus. Und die Äste gehen in die Schnitzelheizung von Kalchrain. Die in unseren Gefilden eher unübliche Art der Holzwirtschaft drängte sich schon wegen des Gewichts des letztlich arg zerzausten Baumes auf: Allein die untersten sechs Meter des Stammes wogen 6,5 Tonnen, wobei der Heli maximal drei Tonnen heben konnte.

Nächster Halt: Diessenhofen

Nach dem Akt, der trotz beissender Kälte von einer ansehnlichen Publikumsschar inklusive Schüler und Schulpflegerin Monika Weber gespannt verfolgt wurde, flog der Helikopter nach Diessenhofen weiter, um dort eine weitere delikate Aufgabe zu lösen. Revierförster Fuchs, der dem einsitzigen Helikopter auf der Strasse nach Diessenhofen vorausgeeilt war, erklärte: «Beim Diessenhofer Henkiturm waren zwei Fichten und eine Esche der Stadtmauer zu nahe gekommen und mussten deshalb entfernt werden.» Und da kein Kranwagen bis zum Henkiturm vordringen kann, entschloss man sich zum Helikopter-Teamwork, dessen Kosten sich Eschenz und Diessenhofen somit paritätisch teilten.

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