Abwasser rein, Ökostrom raus

AADORF. ie Kläranlage in Aadorf produziert schon seit vielen Jahren erneuerbare Energie. Gase, die aus dem Schlamm im Faulturm aufsteigen, werden in Strom umgewandelt. Das Konzept bewährt sich.

Brigitt Hunziker
Drucken
Teilen
Sind stolz auf die Ökostrom-Produktion: Die beiden Aadorfer Klärmeister Fritz Zaugg und Köbi Mathis vor dem Blockheizkraftwerk. (Bild: Brigitt Hunziker)

Sind stolz auf die Ökostrom-Produktion: Die beiden Aadorfer Klärmeister Fritz Zaugg und Köbi Mathis vor dem Blockheizkraftwerk. (Bild: Brigitt Hunziker)

AADORF. Heute schon gespült? Täglich geht der Mensch mehrere Male auf die Toilette. Dabei spült er im Tag rund 35 Liter Wasser in die Kanalisation. Das Wasser fliesst aus dem Haus, in das gut unter dem Boden versteckte Kanalsystem und von dort in die Kläranlage. In der Kläranlage Aadorf treffen täglich rund 7000 Kubikmeter Abwasser ein. In einem komplexen Prozess wird das verschmutze Wasser mittels modernen Technologien gereinigt. Während dieser Klärung fällt Schlamm an. Dieser wird in der Anlage in den Faulturm gepumpt, und dort entwickelt sich wertvolles Biogas.

Schon längst haben die Klärfachleute erkannt, dass dieses Gas in nützliche Energie umgewandelt werden kann. Mit dem Gas wird ein Motor angetrieben, welcher seinerseits einen Generator antreibt, und so entsteht Strom. «Eine raffinierte Sache. Mit dem Motor können wir Strom für den eigenen Bedarf produzieren und gleichzeitig die Abwärme zur Beheizung des Faulturms nutzen», erklärt Fritz Zaugg, einer der zwei langjährigen Aadorfer Klärwerkfachmänner. Bereits seit 1990 steht bei der Kläranlage Aadorf ein solcher Motor, ein sogenanntes Blockheizkraftwerk. 2005 wurde ein neueres, leistungsfähigeres Modell eingebaut. Je nach Gasproduktion im Faulturm liefert der Motor bis zu 50 Kilowatt Leistung und läuft täglich bis zu zwanzig Stunden. «Wir decken 30 bis 50 Prozent unseres Strombedarfs auf der Anlage ab», weiss der zweite Fachmann auf der Anlage, Köbi Mathis, Bescheid. Das Blockheizkraftwerk steht in einem separaten Raum, verpackt in einem Lärm dämpfendem Metallkasten. Alle sechs Wochen erhält der Motor einen Service. «Wir wechseln das Öl aus, und bei Bedarf werden die Ventile nachgestellt.»

Ökostrom für 50 000 Einwohner

Die zwei Fachleute lieben und schätzen ihren Beruf. Sie erledigen ihn seit vielen Jahren täglich mit viel Freude und Engagement. Über 1000 Menschen arbeiten in den rund 750 zentralen Kläranlagen der Schweiz. Vielerorts stehen seit Jahrzehnten Blockheizkraftwerke. Je nach Strategie produzieren diese Kraftwerke Strom direkt für den internen Gebrauch der Kläranlagen, oder er wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und als Ökostrom an Haushalte und Dienstleistungs- oder Industriebetriebe verkauft. «Aus Klärgas werden in der Schweiz über 100 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr gewonnen. Dies entspricht dem Stromverbrauch einer Stadt von rund 50 000 Einwohnern», verdeutlicht Urs Kupper, Geschäftsführer des Verbandes Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA), die Grössenordnung. Er erwähnt aber auch die Möglichkeit, Wärme direkt aus Abwasserkanälen zu gewinnen. Bereits vor 30 Jahren wurden solche Anlagen gebaut, die mit Abwasser aus der Kanalisation noch heute Gebäude zuverlässig und umweltfreundlich beheizen. Urs Kupper weiss: «Im Abwasser steckt aber noch sehr viel, bislang ungenutzte Energie.»

Die Klärwerkfachleute der Kläranlage Aadorf sind stolz darauf, dass sie auch zu den Stromproduzenten gehören und täglich Gutes für die Gesellschaft und die Umwelt tun. «Gerne zeigen wir Interessierten auch den Ablauf auf der Kläranlage und die Funktion des Blockheizkraftwerkes.»

Jedem sein eigenes Kraftwerk

Da und dort stehen solche Kraftwerke bereits im Keller von Mehrfamilienhäusern. In visionären Köpfen werden sie für die Zukunft gerüstet, und neue Anwendungen sind am Entstehen. In den Wohnungen könnte eine neue Generation von Toilettenmodellen zu stehen kommen. Die Fäkalien werden dann nicht mehr in die Kläranlage geleitet, sondern in einen hauseigenen Biogas-Reaktoren im Keller, und mit dem gewonnenen Gas wird ein eigenes Heizkraftwerk betrieben. So könnte «hausgemachter» Ökostrom und Heizwärme entstehen.

Aktuelle Nachrichten