Abwaschpolitik

Glosse

Sabrina Bächi
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Der Abwasch. Ein leidiges Thema. Die Unterschiede könnten nicht grösser sein. Zunächst ist die Wahl des geeigneten Putz­helfers zu treffen. Es gibt die Bürsteliputzer, die Waschlappenwischer oder die Schwammreiniger. Alle drei haben ihre eigene Waschphilosophie und rümpfen die Nase, wenn das passende Werkzeug fehlt.

Es gibt die ganz genauen Putzer. Sie spülen gar die sauber­geleckten, weissen Teller noch ab, bevor sie in die Geschirrspülmaschine kommen. Andere stapeln das Geschirr meterhoch und lassen es Tage stehen, bevor alles auf einmal in der Maschine oder im Waschtrog landet.

Wenn es aber um das Einräumen der Geschirrmaschine geht, dann bricht der Kampf erst richtig los. Jede Maschine wird von ihrem Nutzer in Sektoren eingeteilt. Es ist klar definiert, was wo hingehört. Grosse Teller hinten, kleine vorne. Kleine Schüsseln oben oder grosse Schüsseln hinten. Gläser immer oben, bei manchen stehen sie rechts, bei anderen in der Mitte. Oder aber die ganze Maschine ist nur ein Sektor und es wird einfach alles irgendwie hineingestellt. Wer jetzt denkt, die Spülkriege hätten nichts mit Politik zu tun, der irrt: Je älter die Spüler, desto verbissener kämpfen sie um die richtige Einordnung. Geht es um den Abwasch allgemein, sind die Diskussionen noch erträglich. Die Geschirrspülmaschine jedoch macht jeden zum Parlamentarier: Jeder vertritt seine Meinung vehement, die Einteilung in Parteien ist klar geregelt, wer wo sitzt, ist ebenfalls in Sektoren unterteilt. Oftmals ist die Lancierung einer Initiative gefordert, wenn es um den Abwasch geht. Manchmal muss man das Referendum ergreifen. Sei es, weil Omas Teetasse im falschen Sektor steht oder die Obstschüssel nicht vorgespült wurde.

Vielleicht könnte man sogar so weit gehen und sagen: Früher war die Politik den Männern und der Abwasch den Frauen vorbehalten. Beide tun sich heute noch schwer, im jeweilig anderen Lager ihren Platz zu finden. Die Männer sind in der Küche, die Frauen in der Politik untervertreten. Vielleicht wäre es hier sinnvoll, eine Männerabwaschquote zu fordern. Und am Ende des Tages bleibt die Hoffnung, dass alles sauber wird.

Sabrina Bächi