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ABSTIMMUNG: «Es braucht keinen Luxusbau»

SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen (Arbon) bekämpft mit einem Ad-hoc-Komitee den Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule. Im Zentrum der Kritik: die Kosten von 27 Millionen Franken.
Christian Kamm
Vermisst beim Erweiterungsbau der PH Thurgau den Willen zum Sparen: Kantonsrat Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon). (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Vermisst beim Erweiterungsbau der PH Thurgau den Willen zum Sparen: Kantonsrat Andrea Vonlanthen (SVP, Arbon). (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Christian Kamm

christian.kamm

@thurgauerzeitung.ch

Andrea Vonlanthen, die PH Thurgau wurde für 350 Studenten gebaut. Unterdessen studieren dort 800 junge Menschen. Kann es einen besseren Grund für eine Erweiterung geben?

Grundsätzlich ist das ein überzeugender Grund. Wenn man die Zahl 800 allerdings auf Vollzeitstudenten umrechnet, kommt man nur noch auf 500. Es sind nie alle 800 gleichzeitig am Studieren, sondern es gibt Wechsel und auch flaue Phasen. Und ein Semester dauert auch nur 18 Wochen.

Der Thurgau hat sich vor 15 Jahren entschieden, die Lehrerbildung im eigenen Kanton zu behalten. Also muss die nötige Infrastruktur zur Verfügung stehen. Wer A sagt, sollte auch B sagen.

Schon diese Zunahme der Studentenzahlen zeigt, dass man die Entwicklung stark unterschätzt hat. Klar: Jetzt haben wir diesen Bestand, und deshalb braucht es auch eine Erweiterung. Aber es braucht keinen Luxusbau für 27 Millionen Franken. Wir stören uns nicht an der Erweiterung grundsätzlich, sondern an der Art und Weise und an den Kosten.

Was macht Sie denn so sicher, dass es auch billiger ginge?

Das zeigen Vergleichszahlen. Das erste PH-Projekt 2008 war von der Fläche her mehr als doppelt so gross wie der geplante Erweiterungsbau, und die Kosten sind praktisch die gleichen. Da stimmt nach unserer Überzeugung das Verhältnis überhaupt nicht mehr. Ein Kubikmeterpreis von 857 Franken – das gibt einen luxuriösen und überteuerten Bau.

Die Befürworter argumentieren, dass das Projekt viele Spezialräume umfasse und diese eben teurer seien.

Die machen nur einen kleinen Teil der Kostensteigerung aus. Entscheidender sind der problematische Baugrund und die wenig verdichtete Bauweise. Deshalb stellen wir auch den Standort und das Projekt in Frage. Den Campus-Gedanken kann man zwar nachvollziehen. Uns stört aber, dass nicht geprüft worden ist, ob es einen alternativen und besseren Standort gibt. Gut die Hälfte der neu geschaffenen Räume dient übrigens der Verwaltung und dem Rektorat und nicht einmal der Bildung selber.

Der Standort liegt doch auf der Hand. Weshalb soll nicht beieinander stehen, was auch zusammengehört?

Der Campus-Gedanken hat eine gewisse Logik, und es wäre natürlich schön, wenn man es so realisieren könnte. Aber die Frage muss gestellt werden: Welchen Preis ist uns das wert? Wir reden von 27 Millionen, wenn es dumm läuft, könnten es laut Botschaft 30 sein. Die Frage, ob man für eine Übergangszeit leer stehende Gewerberäume nutzen könnte, ist unseres Erachtens auch nicht gründlich geprüft worden. Im Umfeld der PH gibt es rund 3000 Quadratmeter nicht genutzten modernen Gewerberaum.

Haben Sie in der grossrätlichen Kommission keine Antworten auf Ihre Fragen erhalten?

Kritische Fragen zu den Kosten wurden fast als Majestätsbeleidigung betrachtet. Beim Erweiterungsbau der Berufsschule Arbon hat die Kommission damals bewusst die Kosten gedrückt, und es ist gelungen. Also wollte ich wissen, weshalb man das hier nicht auch so macht. Es gab hellen Protest nur schon gegen die Frage. Wolle man die Kosten senken, hiess es, dann brauche es ein neues Projekt.

Sie kritisieren die Planung des Erweiterungsbaus auch als kurzsichtig. Weshalb?

Weil dieser Bau selber nicht mehr erweiterbar sein wird. Dabei wird es in absehbarer Zeit zusätzliche Lehrkräfte brauchen.

Die Gegenseite versichert, dass die PH Thurgau nicht mehr weiter wachsen will.

Diesen Aussagen traue ich überhaupt nicht. Sie entsprechen nicht der Realität. Das haben wir immer wieder gehört – gleichzeitig ist die PH rasant gewachsen. Und wir sehen auch, wie sich andere PH, etwa die Zürcher, dynamisch weiterentwickeln. Grosse Lehrerjahrgänge kommen bei uns ins Pensionsalter. Der Thurgau gilt als Entwicklungskanton und wird wachsen. Die Schülerzahlen steigen. Allein die Primarschule Arbon rechnet mit einem Schülerwachstum von elf Prozent in den nächsten sechs Jahren. Das braucht Lehrer. Bei 800 PH-Studenten bleibt es garantiert nicht. Ausser man konzentriert sich vermehrt auf jene Absolventen, die wirklich Lehrer werden wollen.

Im Abstimmungskampf ist ein Streit darüber entbrannt, wie viele PH-Absolventen fünf Jahre nach dem Abschluss noch unterrichten. Sie sagen: Nur noch jeder Zweite. Die Befürworter sagen 90 Prozent. Wer operiert mit falschen Zahlen?

Wir stützen uns auf Zahlen von Regierung und Departement. Die stehen in der Beantwortung eines Vorstosses aus dem letzten Jahr von uns. 35 Prozent brechen das Studium ab oder treten keine Lehrerstelle an. Dazu kommen 17 Prozent, die nach fünf Jahren nicht mehr im Lehrerberuf arbeiten. Und lediglich 60 Prozent jener, die den Beruf tatsächlich ergreifen, üben ihn im Thurgau aus. Das sind Zahlen der Kantonsregierung.

Ein Streitpunkt ist auch die Parkplatzfrage. Die Befürworter sagen, es stünden insgesamt 153 Parkplätze zur Verfügung – sogar drei mehr als vorgeschrieben. Sie halten das für ungenügend?

Es sind sogar 172 Parkplätze. Diese liegen aber an vier verschiedenen Standorten. Das heisst schon mal, dass man von Parkplatz zu Parkplatz fahren muss, bis man einen freien findet. Und von diesen 172 steht ein grosser Teil noch lange nicht, nämlich die im möglichen Parkhaus beim Kreuzlinger Hafenbahnhof. Dort soll es einen Acht-Millionen-Bau geben. Wir haben allein an der PH 1070 Studenten, Dozenten und Mitarbeiter. Dazu an der PMS 635 Personen, dazu Absolventen von Weiterbildungen. Und da sollen 172 Parkplätze genügen? Hier setzen wir grosse Fragezeichen. Von jedem privaten Bauherrn würden entsprechende eigene Parkplätze verlangt.

Es gibt kein Anrecht für Studenten, mit dem BMW vorzufahren. Und es gibt auch den öffentlichen Verkehr.

Ich kenne doch meine Enkel. Mit 18 gibt es doch nichts anderes, als so schnell wie möglich ein sportliches Auto zu haben. Im Zweifelsfall kommen die doch mit dem PW. Hier dürfen wir uns nichts vormachen.

Der politische Rückhalt für die PH-Erweiterung ist gross. Fühlen Sie sich in der Rolle von David gegen Goliath?

Wenn man dem so sagen will, ja. Schauen Sie nur, wie die Gegenseite finanziell aufgestellt ist. Nochmals: Wir sind nicht gegen eine gute Bildung, wir sind nicht gegen die PH. Die macht eine gute Arbeit. Aber Bildung kann uns nicht jeden Preis wert sein. Und sie darf uns vor allem nicht jeden luxuriösen Bau wert sein. Das würde künftig auch zum Massstab für andere Bauprojekte.

Sie konnten Ihre eigene Partei, die SVP, nicht von einem Nein überzeugen. Weshalb?

Ich habe im Vorfeld der SVP-Delegiertenversammlung mit 25 Nein-Stimmen gerechnet. Geworden sind es dann 29. Von daher war ich schon einmal positiv überrascht. Wenn natürlich die Bildungsdirektorin aus der eigenen Partei kommt, will man sie nicht unbedingt im Regen stehen lassen. Dafür habe ich durchaus Verständnis. Aber wir SVPler stellen ja auch den Finanzdirektor, und der sagt: Sparen, sparen, sparen. Mit 52 Massnahmen sollen nun einerseits 22 Millionen gespart werden. Andererseits werden mit beiden Händen 27 Millionen für einen Betontempel ausgegeben, wobei nicht einmal die Hälfte davon direkt in die Bildung fliesst.

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