ABSTIMMUNG: Eine verzettelte Mehrheit sagt Ja

Das Thurgauer Volk nimmt den Kredit von 26,88 Millionen Franken für den Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule in Kreuzlingen deutlich an. Die Zustimmung kommt aus allen Ecken des Kantons, ebenso die Ablehnung.

Thomas Wunderlin
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Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

22341 Thurgauer Stimmberechtigte entschieden sich in der Volksabstimmung vom Sonntag für ein Ja zum Erweiterungsbau der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PH) in Kreuzlingen. Ihre Stimmen übertrafen deutlich die 18669 Nein-Stimmen. Der Baukredit von 26,88 Millionen Franken für das Projekt des Horner Architekten Beat Con­soni erhielt somit eine Zustimmung von 54,5 Prozent bei einer Stimmbeteiligung von 25 Prozent.

Vom selben Architekten stammen schon die beiden 2006 beschlossenen PH-Gebäude; bei der damaligen Volksabstimmung war die Zustimmung deutlich ­höher gewesen: 63,3 Prozent Ja bei einer ebenfalls tiefen Stimmbeteiligung von 26 Prozent.

Im gestrigen Urnengang lässt sich kaum ein Muster in der geografischen Verteilung der zustimmenden und ablehnenden Gemeinden erkennen. Die Städte haben zugestimmt, inklusive die Standortgemeinde Kreuzlingen, wo der Ja-Anteil 60 Prozent betrug. Ausgenommen sind Arbon und Romanshorn, die zusammen mit den Seegemeinden zwischen Münsterlingen bis Egnach abgelehnt haben. Ein ähnlicher Nein-Block erstreckt sich zwischen Lommis und Hohentannen. Auch hat der westliche Kantonsteil eher zugestimmt als der östliche – aus welchen Gründen auch immer. Mit 70 Prozent Ja wurde weit weg von Kreuzlingen – in Wilen bei Wil – die höchste Zustimmung registriert. Dahinter folgen Gottlieben und Tägerwilen mit 69 und 68 Prozent Ja-Stimmen. Verhältnismässig am wenigsten Zustimmung gab es in Salmsach (33,3 Prozent Ja), gefolgt von Doz­wil (37,7) und Affeltrangen (40,9).

Sie freue sich sehr, dass das Stimmvolk ein zweites Mal Ja ­gesagt habe zur einzigen Hochschule im Thurgau, kommentierte SVP-Erziehungsdirektorin ­Monika Knill das Resultat. «Wir können eine Lücke in der Infrastruktur schliessen.» Diese bestehe, seit die PH 2009 alle Studiengänge vom Kindergarten bis Mittelschule anbiete. Bisher habe es immer noch keine Möglichkeit gegeben, den Fachbereich Hauswirtschaft anzubieten. Grad in diesem Bereich würden in den nächsten 10 bis 15 Jahren viele altrechtliche Hauswirtschaftslehrerinnen in Pension gehen. Die Ausbildung im eigenen Kanton wirke dem Braindrain entgegen. Die Ausbildung der Lehrpersonen im eigenen Kanton habe sich bewährt; so könnten beispielsweise die Sekundarschulen bei Stellenausschreibungen unter mehreren Bewerbern auswählen.

Erfreut zeigte sich auch der Leiter der Ja-Kampagne, der Frauenfelder SVP-Kantonsrat und Schulpräsident Andreas Wirth. Das Volk habe Weitsicht bewiesen. «Bei einem Nein hätten wir vier, fünf Jahre verloren, bis wir wieder ein Projekt gehabt hätten; abgesehen von den zwei Millionen Franken, die bereits verplant sind.» Nun würden die engen Verhältnisse beendet.

Er sei «insgesamt befriedigt», sagte auch der Präsident des Nein-Komitees, der Arboner SVP-Kantonsrat Andrea Vonlan­then. Das «knappe Ja» zeige, dass mehr Leute Vorbehalte gegenüber den hohen Kosten hatten, als «die Bildungslobby» erwartet habe. «Realistischerweise mussten wir sagen, dass unsere Chancen klein waren.»

Gegner: Nur für Thurgauer Nachwuchslehrer

Die Befürworter hätten zehn- bis zwanzigmal so viel Finanzen zur Verfügung gehabt. Die Vorbehalte der Stimmbürger richten sich laut Vonlanthen auch gegen «die Strategie, viele Absolventen nach Kreuzlingen zu holen, die gar nicht Lehrer werden wollen». Diese Strategie müsse jetzt überdacht werden. 23