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Ablass à la Diessenhofen

Turmspatz

«Habt ihr am letzten Sonntag gefeiert?», fragt mich mein Cousin, der Steckborner Turmspatz.«Meinst du das Reformationsjubiläum?» – «Ja. Das ist extrem wichtig, lieber Siegelturmtschilper.» Er plustert sich auf. «Findest du?», frage ich. «Aber sicher. Durch Luthers Aktionen wurde der Ablasshandel besiegt. Der neue Glaube hat vor 500 Jahren ganz Europa umgekrempelt.»

«Unser Städtchen nicht.» Ich führe meinen Cousin zur Stadtkirche hoch über dem Rhein. «Die beiden Glaubensrichtungen haben lange friedlich zusammengelebt und hier abwechslungsweise gebetet. Bis die Katholiken vor 50 Jahren in ihr modernes Gotteshaus umzogen und die Kirchenspaltung mit 450 Jahren Verspätung vollzogen.» – «Dann sind die Katholiken religiöse Unruhestifter?» Ich schüttle den Schnabel.

«Im Gegenteil.» Wir flattern flussabwärts bis zum ehemaligen Kloster Sankt Katharinental. «Diese Anlage haben wir einem grossen Katholiken zu verdanken», erkläre ich. «Der heilige Niklaus von der Flüe hat mit seinem mutigen Eingreifen verhindert, dass eine wütende Rotte eidgenössischer Krieger das Kloster brandschatzen konnte. Ein wunderbares Geschenk an die Nachwelt, findest du nicht?» – «Das ist doch auch eine Art Ablasshandel, Gutes tun, damit man in den Himmel kommt», meckert der Turmspatz, «zum Glück hat die Reformation damit aufgeräumt.» – «Und was ist mit dem Kanton Thurgau?» – «Was soll schon sein?», brummt er mürrisch. «Der nahm den Nonnen einfach so das Kloster weg, nun pflegt er dort Alte und Kranke.» – «Das ist Politik», erklärt mein Cousin. «Nein, das ist auch Ablasshandel. Einfach etwas moderner. Es geht immer ums schlechte Gewissen, man sündigt zuerst massiv und tut dann Gutes für den eigenen Seelenfrieden. Da sind die Politiker nicht anders als die guten alten Katholiken.»

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