Abkühlung für einen Ruhestörer

(korr.) Eine gut angebrachte Abkühlung erhielt letzthin ein berauschter Mann, seines Zeichens Reisender aus Zürich, in einem Dorfe des Bezirks Münchwilen. Der Geselle, schon seit sechs Jahren verlobt, ist häufig stellenlos, was von seinem unsoliden Lebenswandel herrührt.

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(korr.) Eine gut angebrachte Abkühlung erhielt letzthin ein berauschter Mann, seines Zeichens Reisender aus Zürich, in einem Dorfe des Bezirks Münchwilen. Der Geselle, schon seit sechs Jahren verlobt, ist häufig stellenlos, was von seinem unsoliden Lebenswandel herrührt. Kam er da jüngst, wie schon oft, aus Not getrieben in das Mutterhaus zu seinem Bruder, verbrachte aber dann den grössten Teil des Tages im Wirtshaus. Gegen 12 Uhr nachts machte er sich schwer beladen auf den Heimweg. Beim Hause seiner Mutter angekommen, begehrte er Einlass, und als seinem Begehren nicht sogleich entsprochen wurde, fing er an zu poltern und zu lamentieren.

Sein Bruder, Böses ahnend, wollte ihm anfänglich keinen Einlass gewähren; doch Friedens halber öffnete er nach einer Weile die Türe. Nun ging der Krach los! Der Ruhestörer machte einen furchtbaren Lärm und stiess derartige Drohungen aus, dass sein Bruder es für gut fand, um Hilfe zu rufen. Die ganze Nachbarschaft wachte erschreckt aus dem nächtlichen Schlummer auf. Als der Radau immer grösser wurde, eilten einige handfeste Männer zu Hilfe. Sie überwältigten den rasend gewordenen Gesellen, verabfolgten ihm eine Tracht Prügel und trugen ihn kurzerhand zum nächsten Dorfbrunnen. Dort tauchten sie den Tobenden in den Brunnentrog. Als das heisse Blut abgekühlt war, nahmen die Männer den Kerl, brachten ihn in sein Schlafzimmer und legten ihn sorgfältig ins Bett; die ersehnte Ruhe breitete sich wieder in der mondhellen Nacht aus.

Der Vorfall schien damit beendet. Doch nein! Am andern Morgen will der Gemassregelte zur Polizei gegangen sein, um Strafklage einzuleiten. Ob er dort war, entgeht unserem Wissen. Immerhin brauchen sich die Männer des «Dorfgerichtes» keine Sorgen zu machen. Die Justiz wird auch hier Recht und Gerechtigkeit walten lassen.