ABGEWIESEN: Der Kampf geht weiter

Die Familie des pakistanischen Ehepaars Kushia und Elvina Patrick setzt sich immer noch dafür ein, dass die beiden in der Schweiz bleiben dürfen. Das Migrationsamt betont, dass es sich stets an die Schweizer Gesetze zu halten hat, auch wenn diese streng sind.

Martin Rechsteiner
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Ändert sich nichts, müssen Kushia (l.) und Elvina Patrick aus Pakistan die Schweiz bald verlassen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ändert sich nichts, müssen Kushia (l.) und Elvina Patrick aus Pakistan die Schweiz bald verlassen. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@

thurgauerzeitung.ch

«Wir setzen jetzt alle Hebel in Bewegung, ergreifen jede noch so kleine Möglichkeit», sagt Patrick Schenk. Sogar einen Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga habe seine Familie geschrieben.

Patrick Schenk aus Oberwangen und seine Familie kämpfen dafür, dass die pakistanischen Schwiegereltern, Elvina und Ku­shia Patrick, in der Schweiz bleiben dürfen (unsere Zeitung berichtete). Dabei erhalten sie viel Zuspruch. «Mit Briefen und über die sozialen Medien haben sich Viele gemeldet und uns Mut gemacht.» Auch fünf christliche Gemeinden seien aktiv geworden.

Angst vor konservativem Islam

Denn der Fall bewegt. Der 68-jährige Pakistani Kushia Patrick ist Christ. Vor drei Jahren geriet er in einen schweren Verkehrsunfall in Pakistan und ist seither auf Pflege rund um die Uhr angewiesen. «Nebst körperlichen Einschränkungen ist er auch psychisch angeschlagen», sagt Schenk. Dies führe so weit, dass er herumirre und christliche Predigten halte. «In einem Land wie Pakistan, in dem seit zwanzig Jahren ein immer konservativerer Islam gelebt wird, ist das ein Problem», sagt Schenk. Zu allem wurde bei Kushia Patricks Ehefrau, Elvina, Brustkrebs diagnostiziert. Ihre vier Kinder wollten die beiden deshalb bei sich in der Schweiz pflegen. Alle vier haben einen Schweizer Partner geheiratet. Schenk ist mit der zweitältesten Tochter liiert. Alle leben in den Kantonen Thurgau und St. Gallen, arbeiten hier und sind gut integriert.

Das Thurgauer Migrationsamt lehnte die Aufenthaltsbewilligung für die Eltern allerdings ab. Die Familie klagte bis vors Bundesgericht. Vergebens. Die Pflege könne auch in einer Privatklinik in Pakistan erfolgen, die Kinder seien finanziell gut genug aufgestellt, für diese Kosten aufzukommen, findet das Gericht. Die Eheleute müssen das Land verlassen. Die Familie sucht jetzt verzweifelt nach einer Lösung. Denn sie ist überzeugt, dass die Pflege-Infrastruktur in Pakistan nicht ausreicht. Zudem ist sie besorgt, dass dem christlichen Paar in Pakistan etwas zustösst.

Was die Familie erfolglos versucht hat, war eine Übersiedlung der Eltern in die Schweiz. Dafür gelten für Rentnerinnen und Rentner aus Drittstaaten wie Pakistan Bedingungen: Grundsätzlich verlangt das Schweizer Gesetz, dass sie «selbst über genügend finanzielle Mittel verfügen» und dass sie «enge Beziehungen zur Schweiz» pflegen, etwa durch längere Aufenthalte.

«Die Voraussetzungen sind streng»

Das Ehepaar Elvina und Kushia Patrick lebt inzwischen seit rund drei Jahren in der Schweiz – so lange haben sich die Rechtsmittel über mehrere Instanzen bis zum Bundesgericht hingezogen. Patrick Schenk versichert, dass die Familie geplant habe, alle Kosten, die für den Aufenthalt und die Pflege der Eltern anfallen, selber zu tragen. «Dies haben wir bis jetzt auch getan, inklu-­ sive Anwaltskosten alles», sagt Schenk.

«Wie in allen anderen Fällen gilt, dass Garantien eines Verwandten nur berücksichtigt werden können, wenn dieser in günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebt», sagt Camillus Guhl, Leiter des Thurgauer Migrationsamtes. Aus Datenschutzgründen kann er zum Einzelfall keine Stellung nehmen. «Was gute wirtschaftliche Verhältnisse sind, legt die Schweizer Konferenz für Sozialhilfe in ihren Richtlinien fest.» Diese seien hier massgebend. «So muss ein Ehepaar über ein steuerbares Einkommen von 180000 Franken pro Jahr verfügen, zuzüglich 20000 Franken pro Kind in Ausbildung, oder über ein steuerbares Vermögen von 500000 Franken zuzüglich 40000 Franken pro Kind in Ausbildung», sagt Guhl.

Zudem müssen «enge Beziehungen» zur Schweiz bestehen. Eine Beziehung zu hier lebenden Verwandten reiche nicht. «Vorgeschrieben ist eine persönliche, unabhängige Beziehung wie beispielsweise eine frühere Erwerbstätigkeit in der Schweiz».

Die gesetzlichen Voraussetzungen seien aus Gründen der demografischen Entwicklung und Problembereichen wie Kostenanstieg im Gesundheits- und Sozialwesen streng, sagt Guhl. «Generell stellt das Migrationsamt fest, dass, wenn im Einzelfall ein Gesuch abgelehnt wird, das vom Gesuchsteller – menschlich verständlich – als hart empfunden wird. Dies umso mehr, wenn seit dem ersten Entscheid des Amtes noch eine lange Zeitspanne mit Rechtsmitteln und damit Hoffnungen auf einen anderen Entscheid liegen».

Als Möglichkeit bleibt Elvina und Kushia Patrick nun noch, beim Bund Asyl zu beantragen und zu versuchen, als Flüchtlinge anerkannt zu werden. Laut Schweizer Gesetz sind Flüchtlinge «Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden.» Wird das bei den beiden anerkannt, dürfen sie bis auf Weiteres in der Schweiz bleiben. Asylanträge laufen über den Bund.