Abfuhr für Gemeinderat

Die Stettfurter Stimmbürger haben bei der Gemeindeversammlung einen Antrag für die Sanierung des Gemeindehauses abgelehnt. Der Gemeindepräsident zeigte sich tief enttäuscht.

Katharina Brenner
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Thomas Gamper Gemeindepräsident Stettfurt (Bild: Nana do Carmo)

Thomas Gamper Gemeindepräsident Stettfurt (Bild: Nana do Carmo)

STETTFURT. Der Saal war so voll, dass die 144 Stettfurter Stimmbürger bei der Gemeindeversammlung am Donnerstag bis im Foyer des Tscharnerhauses standen. Gemeindepräsident Thomas Gamper freute sich über die überdurchschnittliche Zahl. Das bedeutendste Traktandum war das Kreditgesuch über 1,38 Millionen Franken zur Sanierung des Gemeindehauses. 1983 wurde das rund 250 Jahre alte Gebäude zuletzt nachhaltig renoviert. Um seinen Wert zu erhalten, sei es nötig, die Gebäudehülle und das Kellergeschoss zu sanieren, die Fenster nachzurüsten, die Heizung und Toiletten zu ersetzen sowie die Bodenbeläge zu erneuern, sagte Gamper. Dann könne die Gemeinde den drei Mitarbeitern auch geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Der Gemeinderat stellte den Antrag jetzt, da der Bau einer Mehrzweckhalle mit der Schulgemeinde bei einer Abstimmung im Mai 2015 gescheitert war. Daraufhin überarbeitete der Gemeinderat die Pläne und informierte darüber bei einer Orientierungsveranstaltung.

Einige Fragen zur Sanierung

Trotzdem warf das Vorhaben viele Fragen auf. Etwa ob nicht nur der Eingang, sondern auch das Innere behindertengerecht gestaltet werden könne. Der Gemeindepräsident und der Frauenfelder Architekt Gabriel Müller sagten, dass es mit den Mitteln der Gemeinde nicht möglich sei, das denkmalgeschützte Gemeindehaus komplett behindertengerecht zu gestalten. Andere fragten, ob eine Unterstützung des Kulturkellers wirklich nötig sei – der Umbau des Kellergewölbes soll bessere Räumlichkeiten für die Veranstaltungen dort schaffen. Gamper entgegnete, dass sich der Kulturkeller einen Ruf auch über Stettfurt hinaus erarbeitet habe und der Gemeinderat dieses Angebot fördern möchte.

Andere meinten, so lange unklar sei, wie es mit der Schule weitergehe, sollte Stettfurt das Gemeindehaus nicht sanieren. Fest steht bislang nur, dass die Schule weitere Räume und damit Geld braucht. Gamper verwies auf die Trennung der beiden Gemeinden und sagte, die Politische stehe ihrem Vermögen gegenüber in einer Verantwortung.

Neben Kritik gab es auch Zuspruch für das Vorhaben. Einige Bürger sagten, die Sanierung sei notwendig, Stettfurt habe das Geld dafür, die Wirtschaftslage sei ideal und im Vergleich mit der Sanierung anderer Gemeindehäuser seien 1,38 Millionen Franken wenig. Kurz bevor die Abstimmung beginnen sollte, erfolgte ein Antrag auf geheime Abstimmung, dem stattgegeben wurde. Die Stettfurter lehnten die Sanierung ab mit 80 Stimmen dagegen, 62 Stimmen dafür und zwei leeren Stimmzetteln.

«Es isch cheibe schad»

Der Gemeindepräsident zeigte sich sichtlich enttäuscht: «Gestatten Sie mir eine persönliche Bemerkung», sagte er. Es sei «cheibe schad», dass die Sanierung abgelehnt wurde. Doch so laufe das in der Schweiz. «Und ich bin ein Verfechter der direkten Demokratie.»

Das Kreditgesuch über 61 000 Franken für das vierte Massnahmenpaket zur Sanierung des Schwimmbads am Sonneberg wurde indes einstimmig angenommen. Dasselbe gilt für das Budget für 2016 mit einem Ertragsüberschuss von 16 450 Franken und einer Senkung des Steuerfusses von 52 auf 48 Prozent. Mit 134 Stimmen dafür, vier dagegen und drei leeren Stimmzetteln erhielt die in Stettfurt aufgewachsene Regierungsrätin Carmen Tina Haag das Stettfurter Bürgerrecht.

Der Gemeindepräsident beendete die Gemeindeversammlung mit guten Wünschen für das neue Jahr und den Worten: «Wir sollten nicht vergessen, wie gut es uns hier geht. Auch wenn viele heute abend den Ausdruck <jeder Rappen zählt> falsch verstanden haben.»

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