Abfallpoker

Turmspatz

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«Auf, Siegelturmtschilper! Jetzt gilts ernst!» Aufgeregt flatternd landet mein Cousin, der Steckborner Turmspatz, auf meinem Nestrand. Ich verschlucke mich fast an meinem Kräutertee. «Was ist? Gibt es eine Katzenplage? Oder wird das Essen von Singvögeln wieder erlaubt?», krächze ich. «Du tönst ja wie eine Saatkrähe.» «Ich töne wie ein armer, kranker Spatz, der von seinem Cousin mit irgendwelchen Geschichten genervt wird.»

«Wenn du es hörst, wirst du deine Erkältung glatt vergessen.» «Was hören?» «Ihr seid weiterhin mit dabei.» «Bei was?» «Beim grossen Abfallpoker.» Mein Cousin holt Spielkarten hervor und beginnt zu mischen. «Eigentlich habe ich keine Lust, bei einem unbekannten Spiel mitzumachen.» «Wer ausgewählt wird, muss mitmachen. Übrigens kennt niemand die Regeln, diese werden bei Bedarf angepasst. Am Anfang sind einige Regionen im Rennen.» Der Turmspatz gibt reihum. «Nun wird bestimmt, was es braucht, um weiterzukommen.» Er schaut die Kartenstapel an. «Eure Region hat gute Karten.»

«Wie geht es weiter?» «Im Moment sind noch drei Spieler übrig.»«Dann können wir gewinnen?» «Beim Abfallpoker will niemand gewinnen, keiner möchte am Schluss den radioaktiven Atommüll unter seinen Dörfern haben. Eure Region bleibt leider im Spiel.» «Dabei ist unser Umgang mit Abfällen keineswegs ideal.» Ich deute die Hauptstrasse hinunter: «Wir haben unseren Kehricht in Unterflurcontainern unter den Boden gebracht und glaubten an eine sichere Entsorgung. Doch das war ein Irrtum, es stank weit herum und die Stadt muss nun alles zurückbauen. Das wissen die Politiker, die vertrauen unserer Gegend sicher keine gefährlichen Abfälle an.» Der Turmspatz schiebt mir meine Karten hinüber. «Die gehören Zürich Nordost. Hier gleich um die Ecke.» Langsam decke ich sie auf. Zum Vorschein kommen vier Asse.

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