ABFALL: System Kuh-Bag hat noch Potenzial

Der Pilotversuch mit dem Kuh-Bag war erfolgreich genug, um die gemischte Kunststoffsammlung weiter anzubieten. Eine ­Studie zu den beiden Pilotjahren hat aber auch Verbesserungspotenzial entdeckt. Unter anderem muss die Recyclingquote erhöht werden.

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Der Bund hat dem Kunststoffsammlungsprojekt Kuh-Bag längerfristig eine Recyclingquote von 70 Prozent vorgegeben. Davon war man während der zwei Pilotjahre, die vor kurzem zu Ende gingen, noch ein gutes Stück entfernt. Bisher konnten knapp 50 Prozent nach dem Sortieren wiederverwertet werden. «Es ist heute noch nicht möglich, dieses Ziel mit bestehenden Recyclingketten zu erreichen», heisst es in einer vom Thurgauer Amt für Umwelt in Auftrag gegebenen Studie der Forschungsanstalt Empa. Aufgrund der Wertstoffanteile könne das Ziel aber grundsätzlich erreicht werden. Die gemischte Kunststoffsammlung mit dem Kuh-Bag wird weitergeführt (die TZ berichtete).

22000 bis 44000 Personen nutzten den Kuh-Bag bereits. Im zweiten Pilotjahr wurden 502 Tonnen Kunststoffabfälle gesammelt – im ersten Jahr waren es erst 250 Tonnen. 5,6 Prozent des im Einzugsgebiet anfallenden Kuh-Bag-Materials werden bisher gesammelt. Es besteht also noch bedeutendes Potenzial. Die Sammelmenge schwankte zwischen den Monaten teils beträchtlich. Der Kundenzuwachs beispielsweise nach Gratisverteilaktionen von Kuh-Bags konnte nur teilweise gehalten werden. «Dies lässt darauf schliessen, dass ein gewisser Teil der Bevölkerung das Kuh-Bag-System versuchsweise genutzt hat, aber eventuell vom Angebot noch nicht überzeugt war oder den Aufwand zur Teilnahme nicht aufbringen wollte», heisst es in der Studie. Die Empa hat weiter herausgefunden, dass die Nutzer in den meisten Fällen – zu 94,4 Prozent – die gewünschten Artikel im Kuh-Bag entsorgen.

Hol- statt Bringsammlung hat Vorteile

In den meisten Gebieten – so auch im Thurgau – müssen die vollen Kuh-Bags an Sammelstellen vorbeigebracht werden. Einzig in Wil werden die Säcke vor der Haustüre abgeholt. Die Studie stellt fest, dass der Komfort ein wichtiger Faktor für die Nutzung des Kuh-Bags ist. «Sowohl ein engeres Netz an Sammelstellen wie auch eine Ausweitung der Holsammlung in andere Städte könnten die Sammelmengen erhöhen», lautet einer der Verbesserungsvorschläge. Eine Ausweitung der Holsammlung in andere Städte würde ausserdem den Gesamtumweltnutzen der Sammlung steigern. Zudem könnten mit steigender Sammelmenge die Fixkosten breiter verteilt und beispielsweise die Sackgebühr gesenkt werden.

Die Verarbeitung muss verbessert werden

Die Empa widmet sich in der Studie auch der Verbesserung der Verarbeitung, die zu einer Erhöhung der Recyclingquote führen würde. «Mit der geforderten Zielrecyclingquote von 70 Prozent stehen Systeme und Verarbeiter in der Verantwortung, die heutige, bereits sachgemässe Verarbeitung langfristig zu verbessern. Um das Ziel zu erreichen, ist es nötig, bestehende Machbarkeitsgrenzen auszuloten.» Dies könne in Zusammenarbeit mit europäischen Recyclingbetrieben oder mit dem Aufbau neuer Verarbeitungskapazitäten in der Schweiz geschehen.

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Nächste Woche informieren der Kanton und die KVA Thurgau über die Ergebnisse des Pilotversuchs. Die TZ wird berichten.