Abfall soll im Boden verschwinden

FRAUENFELD. Zerrissene Abfallsäcke soll es in Frauenfeld bald nicht mehr geben. Denn der Stadtrat beantragt beim Gemeinderat einen Nettokredit von 1,7 Millionen Franken für ein neues Abfallentsorgungskonzept. Geplant sind 120 Unterflurcontainer.

Markus Zahnd
Drucken
Teilen
Diese Container auf dem Marktplatz für Glas, Alu- und Weissblech sowie Kleider wurden 2012 erstellt. Bald folgt auf dem Marktplatz ein weiterer Unterflurcontainer für Kehrichtsäcke. (Bild: Donato Caspari)

Diese Container auf dem Marktplatz für Glas, Alu- und Weissblech sowie Kleider wurden 2012 erstellt. Bald folgt auf dem Marktplatz ein weiterer Unterflurcontainer für Kehrichtsäcke. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Sauberer soll es werden, benutzerfreundlich sowie ökonomischer und ökologischer. Die Haltung des Stadtrates ist klar: Bis Ende 2020 soll der Kehricht von den Frauenfelder Strassen verschwinden, bis dann sollen die meisten Quartiere einen Unterflur-Container erhalten haben. So steht es in der Botschaft, welche der Stadtrat dem Gemeinderat vorlegt und das Parlament bald beraten wird. Die Kosten für die Umsetzung des Konzepts betragen 1,7 Millionen Franken, welche der Spezialfinanzierung Kehrichtentsorgung entnommen werden sollen.

Das Abfallentsorgungskonzept geht auf den Verband KVA Thurgau zurück. Dieser will das Sammelsystem ändern und forciert die Einführung der Unterflur-Container – auch finanziell. Die Stadt hat deshalb ein Pilotprojekt in Gerlikon realisiert, dort gibt es bereits zwei unterirdische Container. Auch bei der Sammelstelle Gaswerkstrasse hat es einen Unterflur-Container. Weitere sind geplant, ehe die schrittweise Umsetzung des Konzepts erfolgen soll. Auch Glas- und Blechcontainer sollen möglichst in den Untergrund verlegt werden.

20 000 Franken pro Standort

Ein Unterflur-Container bietet Platz für rund 100 Abfallsäcke. Pro Einwohner entstehen jährlich 160 Kilogramm Abfall. Um die 930 Sammelpunkte aufzuheben, wären gemäss Botschaft rund 150 Unterflur-Container notwendig. Tatsächlich dürften es aber knapp 120 werden. Denn in manchen Quartieren werden bereits bestehende oder neu installierte 800-Liter-Container zum Einsatz kommen.

Pro Standort rechnet der Stadtrat mit 20 000 Franken. Weil der Verband KVA eine Anschubfinanzierung von 6000 Franken pro Standort leistet, rechnet der Stadtrat mit Nettoinvestitionen von 1,68 Millionen Franken. Da die Spezialfinanzierung Kehrichtentsorgung 2,6 Millionen Franken enthält, sei die Investition laut Stadtrat «verkraftbar».

«Für den Stadtrat überwiegen bei der Investition die Vorteile», heisst es in der Botschaft: Saubere Stadt und Quartiere, da es keine offenen Sammelstellen und die damit verbundenen zerrissenen Säcke mehr gibt, Bereitstellung rund um die Uhr, eine Optimierung der Sammelrouten und die Benutzerfreundlichkeit für die Bevölkerung. Für einige Anwohner werden die Unterflur-Container aber auch Nachteile bieten. Denn bis jetzt sind es maximal 100 Meter Distanz zu den Sammelpunkten, neu werden es dann maximal 300 Meter Fussdistanz sein.

Lerch zieht Anfrage zurück

Auf diesen Nachteil hatte Gemeinderat Michael Lerch (FDP)Anfang Juli in einer Einfachen Anfrage auch hingewiesen. «Es ist fraglich, ob die Bewohner noch bereit oder in der Lage sind, diese Mehrdistanz zu Fuss zurückzulegen – oder ob für die Abfallentsorgung vermehrt das Auto verwendet wird, was ökonomisch und ökologisch nicht sinnvoll wäre», schrieb Lerch. Zudem wollte er Klarheit über die «schleichende Einführung» der Unterflur-Container. Mit der Botschaft seien seine Fragen nun aber beantwortet. «Nachdem feststeht, dass die bisherigen Standorte der 800-Liter-Container bestehen bleiben sollen und voraussichtlich teilweise sogar noch ausgebaut werden, sehe ich abgesehen von den Kosten im Moment mehr Vor- als Nachteile bei den Unterflur-Containern», sagt der FDP-Gemeinderat. Er wird seinen Vorstoss daher formell zurückziehen.

Wann das Gemeindeparlament über den Nettokredit entscheidet, steht noch nicht fest. Zuerst geht das Geschäft zur Beratung in die Geschäftsprüfungskommission «Bau, Werke, Anlagen». In dieser Sitzung wird dann auch Lerch seine abschliessende Meinung bilden, er ist Mitglied jener GPK.