AADORF: Zwei Riesen für die Firma

An der Industriestrasse erweckt ein Unternehmen mit der Kunst am Bau ­Aufmerksamkeit. Die Figuren sollen die Werte des Betriebs widerspiegeln.

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Die Figuren vor dem Eingang der Alme AG. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Die Figuren vor dem Eingang der Alme AG. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Für Passanten unübersehbar ­stehen zwei Männer in stoischer Haltung vor dem Eingang der ­Firma Alme AG an der Aadorfer Industriestrasse. Nachts tauchen die schwarzen Figuren nur schemenhaft auf, beim Eindunkeln jedoch zeichnen sich die Konturen besser ab, und tags präsentieren sich die Skulpturen gar als Riesen, die scheinbar in ein Gespräch verwickelt sind. Beim näheren Betrachten ist von Augenkontakt nichts zu bemerken, denn jede Person blickt in eine andere Richtung, als ob die beiden an einem direkten gedanklichen Austausch nicht gross interessiert wären. Gestikulierende Arme sind auch nicht auszumachen, denn diese fehlen den menschlichen Torsos gänzlich, was etwas eigenartig anmutet.

Zweifellos erregen die monumentalen Skulpturen mit der ­zerfurchten Oberfläche die Aufmerksamkeit von Passanten, selbst bis hin zur Befremdung. Was wollte der Künstler mit den bronzenen Statuen, die in ihrer Art an Alberto Giacometti erinnern, wohl ausdrücken?

Das Werk von Künstlerhand

Die Recherche führt zu Ivo Soldini, einem bekannten Maler und Skulpteur, 1951 geboren in Lugano. Dessen Ausstellungstätigkeit umfasst den öffentlichen Raum und verschiedene Galerien im In- und Ausland. Zentrales Motiv ist meist der Mensch und seine Beziehungen. «Die Figuren von Ivo Soldini sind sehr reduziert und stehen immer in Beziehung zu­einander. Wie bei den Menschen ist es nicht im Sinne des Künstlers, die Figuren einzeln zu sehen. Gruppen, so wie bei uns die beiden Figuren, gilt es als Ganzes zu betrachten. Seien es ein Mann und eine Frau, seien es zwei Männer, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Wichtig ist dem Künstler, das Gesamte zu betrachten, um die erzeugte Spannung zwischen den Figuren zu erleben. Aus der Nähe zeigen sich die tiefen Furchen in den bronzenen Figuren deutlich ab. Ganz genau sind diese aus Kupfer und Zinn, was den je rund 200 Kilogramm schweren Figuren verschiedene Farbnuancen verleiht und den Bezug zur Alme herstellt», sagt der kunstaffine Geschäftsführer des Unternehmens, Christian Taennler.

Bereits im Jahr 2005, als er die Möglichkeit bekam, sich langfristig an der Alme zu beteiligen, habe er Vision gehabt, der Firma gegen aussen ein Gesicht zu geben. Die gelebten Werte sollen sich widerspiegeln. Dazu brauche es Menschen, die Freude am ­metallischen Material und gleichzeitig einen hohen Anspruch an Handarbeit haben. Das Kunstwerk soll das Credo von «perfect precision» vermitteln. Eine Verbindung mit der Kunst am Bau der nahen Firma Vibraplast liege zwar nahe, soll jedoch nicht wegweisend gewesen sein.

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch