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AADORF: Tortur gemeistert

Oliver Bieri fuhr das «Pedaled Transcontinental Race». Dabei durchquerte er 13 Länder, bewältigte 50000 Höhenmeter und legte 4136 Kilometer zurück – auf dem Velo.
Kurt Lichtensteiger
Extremsportler Oliver Bieri posiert auf dem Transfagarasan Highway, einer Hochstrasse in den Transsilvanischen Alpen in Rumänien. (Bild: PD)

Extremsportler Oliver Bieri posiert auf dem Transfagarasan Highway, einer Hochstrasse in den Transsilvanischen Alpen in Rumänien. (Bild: PD)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau

@thurgauerzeitung.ch

Radrundfahrten wie die Tour de France, Ein-Tages-Radrennen wie Paris–Roubaix oder das «Race Across America» sind bekannte Herausforderungen für professionelle Radrennfahrer und Hobbyradsportler. Seit 2013 reiht sich das «Pedaled Transcontinental Race» in den Kreis der Ultra-Ausdauer-Rennen ein und darf mit Fug und Recht als eines der härtesten Radrennen weltweit bezeichnet werden.

Die Nachfrage wuchs innert Kürze rasant, von anfänglich 30 Teilnehmenden auf über 1000 Bewerbungen bei der vierten und fünften Auflage. Für die Zulassung waren allerdings einige Auflagen zu erfüllen, so etwa das Bestehen eines Gesundheitstests. Deshalb waren nur 300 Startplätze vergeben worden, wovon es 141 Teilnehmende heil ins Ziel schafften. Manche gaben nach kleineren oder grösseren Unfällen, Lebensmittelvergiftungen oder Nervenzusammenbrüchen sowie Defekten unfreiwillig auf. Und leider war sogar ein Todesfall bei einem noch nicht geklärten Autounfall zu verzeichnen.

18 Kilo Ausrüstung

Bei einer Velotour durch Kroatien erfuhr Oliver Bieri erstmals von der Existenz dieses transkontinentalen Rennens, das ohne fremde Unterstützung, genannt «self-supported», absolviert werden muss. Vorgegeben waren lediglich vier anzufahrende Checkpoints, namentlich Schloss Liechtenstein bei Reutlingen in Deutschland, Monte Grappa in Italien, die High Tatras in der Slowakei, der Transfagarasan Highway in Rumänien und schliesslich der Zielort Meteora in Griechenland (siehe Infografik rechts).

Auf welchem Weg diese Punkte angepeilt wurden, blieb jedem Teilnehmenden überlassen. Eine akribisch durchdachte Routenplanung war natürlich von Vorteil. Ebenso die Ausrüstung, wozu das Rennvelo zählte, ergänzt mit einem Nabendynamo für die Nachtfahrten und das Laden von GPS sowie Handy. Regenjacke, Leuchtweste, Satteltaschen, Wasserflaschen, Apotheke, Schlafsack, Mätteli. Flickzeug und schliesslich Ringelblumensalbe für das Gesäss waren unverzichtbare Utensilien, die zum Gesamtgewicht von 18 Kilogramm beitrugen.

In diesen Tagen erholte sich Oliver Bieri in Aadorf bei seinen Eltern, die ihm die Begeisterung für das Radfahren schon im Kindesalter mitgegeben hatten. Beste Gelegenheit, den ansonsten in Wädenswil wohnhaften 24-Jährigen erzählen zu lassen. Und er tut dies mit einer Leichtigkeit und Freude: «Die Rangierung, auch wenn ich mit dem 61. Rang sehr zufrieden bin, stand nicht im Vordergrund», sagt Oliver Bieri – noch sichtlich bewegt von den nachhaltig wirkenden Erlebnissen. «Vielmehr waren es die körperliche und geistige Herausforderung, verbunden mit Abenteuer und Grenzerfahrung, die mich zur Teilnahme bewogen haben.»

«Trotzdem waren es billige Ferien.»

Dabei habe er weder auf Sponsoren noch auf ein Preisgeld zählen können. «Zur Teilnahmegebühr von 200 Franken kamen Auslagen für das Material, die An- und Rückreise sowie die Verpflegung», erzählt der gelernte Käser, der sich derzeit zum Lebensmitteltechnologen weiterbildet. «Trotzdem waren es billige Ferien, sofern man diese als solche bezeichnen kann.» Nach minutiös getätigter Vorbereitung habe er sich dann am 28. Juli guten Mutes zum Massenstart im belgischen Geraardsbegen aufgestellt. «Um 22 Uhr fuhren alle los, hinein in die Nacht und in ein ungewisses Abenteuer. Ich rechnete damit, gegen Wind und Wetter, missliche Strassenbeläge und gegen Erschöpfung ankämpfen zu müssen.»

Er sollte recht behalten. Schon bald nach dem Start lichtete sich das Feld, zumal ein Teil des Trosses den Weg über Frankreich, der andere den entlang des Rheins einschlug. «Ich fuhr mein eigenes Tempo, verliess mich ganz auf meine geplante Route, geladen auf GPS, und folgte dem Strich auf dem Display. Dass ich auf meiner Reise hie und da auf einen Feldweg einbog, war kaum die Folge mangelhafter Routenplanung.» Es galt, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen und sich stets zu verinnerlichen, dass schliesslich der Weg das Ziel ist. «Überdies sandte der GPS-Tracker laufend Signale, so dass Interessierte stets wussten, wo ich mich befand. Täglich radelte ich während rund 15 Stunden und schlief etwa sechs Stunden, sei es auf einem Feld, in einem Park und Obstgarten, unter dem Dach einer Bushaltestelle oder in einem einfachen Hotel.»

8000 Kalorien pro Tag

Um körperlich leistungsfähig zu sein, sparte Bieri nicht Trinken und Essen, nahm täglich 8000 Kalorien zu sich. «Eine Pannenserie mit drei platten Reifen in Rumänien drückte allerdings schwer auf meine Stimmung, die im Tiefpunkt gipfelte, als ich das Fahrrad gar bergab schieben musste, was mich fast zur Verzweiflung brachte.» Schliesslich erreichte er das Ziel nach 4136 Kilometern, am 12. August morgens um 8 Uhr, im griechischen Meteora.

«Die Finisher-Party am folgenden Samstagabend mit rund 200 Teilnehmenden, darunter 30 Frauen, war ein unvergessliches Erlebnis.» Zu erzählen hatte man sich viel, Gefreutes und weniger Erfreuliches. Geblieben ist eine immense Befriedigung, etwas geschafft zu haben, das man sich vorgenommen hatte.

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