AADORF: Mögliche Schliessung der Privatklinik bedroht 122 Arbeitsplätze

Die Meldung der möglichen Schliessung der Privatklinik Aadorf bewegt die Gemüter in der Gemeinde. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die 122 betroffenen Arbeitsplätze.

Kurt Lichtensteiger
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Das Hauptgebäude der Klinik. Was damit und mit den sechs übrigen Liegenschaften geschehen wird, bleibt offen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Das Hauptgebäude der Klinik. Was damit und mit den sechs übrigen Liegenschaften geschehen wird, bleibt offen. (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Kurt Lichtensteiger

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Sie ist seit Tagen das Gesprächsthema in der Gemeinde: Die zur «di Gallo»-Gruppe gehörende Privatklinik Aadorf schliesst, vorbehalten der Resultate des laufenden Konsultativverfahrens, per 28. Februar des nächsten Jahres. Bildlich gesprochen schlug die Medienmeldung wie ein Stein ein, der ins Wasser geworfen wird und kreisförmig ausbreitende Wellen verursacht, die allmählich verebben.

An Stammtischen, auf der Strasse und bei der Gemeinde, ist die Hiobsbotschaft angekommen und hat für emotional geäusserte Reaktionen gesorgt. Mehrheitlich waren es besorgte Stimmen. Auch Ängste kamen zum Ausdruck.

Kaum jemand scheint daran zu glauben, dass das Konsultativverfahren, in welchem die Mitarbeiter Ideen zur Rettung des Unternehmens einbringen können, noch etwas am Entscheid ändern wird. «Schuld sind die Zürcher, die nichts mehr bezahlen wollen», sagt ein Stammtischler. «Arbeitsmässig ist die Schliessung eine Katastrophe, nicht aber steuertechnisch, da die meisten auswärts wohnen und sowieso nur teilzeitlich angestellt sind», wirft jemand in die Stammtischrunde ein. Ein anderer gibt der Hoffnung Ausdruck, es möge sich nicht irgendeine unbekannte Institution einnisten.

Ein weiterer Gesprächsteilnehmer wiederum sieht das Ganze von der kommerziellen Seite und meint: «Jetzt kann man dort oben im Bohlquartier einige günstige Einfamilienhäuser kaufen.» Dies als Anspielung auf die einstige Ausbreitung der Klinik, als zum Hauptgebäude, einer früheren Arztpraxis, im Laufe der Zeit vier eigene Nebengebäude und zwei zugemietete kamen. Die Expansion bot einst Gesprächsstoff, weil deren Zonenkonformität angezweifelt worden war.
 

Um die IG ist es ruhig geworden

Mit dem Ziel, die Wohnqualität im Bohlquartier zu erhalten, wurde vor gut acht Jahren eine Interessengemeinschaft gegründet. In der Zwischenzeit ist es um die IG eher still geworden, wozu die Beschränkung auf 60 Klinikbewohner und ein aufgegebenes Bauvorhaben beitrugen. «Wir von der IG sind über die Schliessung, die nie unser Ziel war, auch sehr betroffen. Wir bedauern den Entscheid, zumal wir mit der Klinik seit Jahren ein gutes Einvernehmen haben. Nun herrscht grosse Unsicherheit über die weitere Zukunft», heisst es von dieser Seite.

Eine Schliessung ganz und gar nicht verstehen kann eine angesprochene Patientin, die sich wegen einer Depression nach einem Burn-out in der Klinik aufhält. «Ich finde das Aus megaschade. Niemand versteht den negativen Entscheid», sagte die 32-jährige Thurgauerin. «Alle Leute sind hier so freundlich und hilfsbereit, von den Ärzten über die Therapeuten und das Pflegepersonal bis hin zum Küchen- und Reinigungsteam. Es ist hier einmalig gut, überschaubar, sehr persönlich. Ich bin hier bestens aufgehoben und könnte mich in einem grossen Gebäudekomplex nie so gut zurechtfinden.»

Für Yoga-Therapeutin Aniza Diesch bestätigte sich eine Vorahnung über die unsichere Zukunft der Klinik. «Weit mehr betroffen als ich ist mein Ehemann, der seit fünf Jahren als Psychotherapeut hier arbeitet», sagt sie. «Mein Mitgefühl gilt auch all den Kolleginnen und Kollegen, die vor einer unsicheren Zukunft stehen. Schmerzhaft, dass ein so gut eingespieltes Team auseinanderbrechen soll.»

Zum Worst-Case-Szenario sagt Gemeindepräsident Mat­thias Küng: «Aus Sicht des Gemeinderates wäre die Schliessung der Privatklinik – und der damit verbundene Verlust von über 120 Arbeitsplätzen – sehr bedauerlich.» Die Klinik geniesse mittlerweile einen guten Ruf, und die Zusammenarbeit mit der aktuellen Geschäftsführung funktioniere sehr gut. «Die Mitteilung kam auch für uns aus dem heiteren Himmel.»